„Das war eine schöne, schöne Zeit,“ sagte die Seeanemone fächelnd.

„Neulich sind wir doch übereingekommen, daß die Gegenwart die bessere Zeit ist,“ sagte der Einsiedlerkrebs verzweifelt. „Jetzt sind wir ruhiger und verständiger und machen uns zunächst immer klar, wie es werden wird. Wenn ich alt und hinfällig wäre, würd’ ich noch nichts dazu sagen. Und wenn einer von uns auf dem letzten Loche pfiffe, so wäre es nur recht und billig, daß der andere ihn fräße. Er wäre ja der Nächste dazu. Aber nun stehen wir beide im kräftigsten Alter und können einander für lange Zeit Nutzen und Freude bringen. Daran solltest du denken.“

„Ich denke daran. Und ich glaube, du hast recht. Kriech also hinein ins neue Haus! Ich werde dir nichts tun.“

„Ziehst erst deine Brennesseln ein!“

Die Seeanemone tat es, und der Einsiedlerkrebs schaffte langsam und vorsichtig seinen Hinterleib in das neue Haus. Das nahm Zeit in Anspruch; ordentlich mußte es ja gemacht werden, und während der ganzen Prozedur heftete er das eine seiner Stielaugen auf die Seeanemone. Aber sie bezwang sich, bis alles überstanden war.

„Das war keine Kleinigkeit,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „Ich hatte wirklich Furcht vor dir.“

„Dazu hattest du auch allen Grund,“ erwiderte die Seeanemone. „Ich habe mich sehr zusammennehmen müssen. Erinnerst du dich daran, was du sagtest: Daß wir einander auffressen sollen, wenn wir alt und verbraucht sind?“

„Ich erinnere mich meiner Worte recht gut und bleibe auch dabei,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „Es ist auch noch gar nicht so sicher, daß ich früher alt werde als du. Aber das soll unsre Sorge einstweilen nicht sein. Jetzt ist die Freundschaft erprobt und wird desto länger vorhalten.“

Drauf kroch er vergnügt von dannen mit seinem neuen Hause und seinem Freunde auf dem Nacken. Sie fingen eine Menge Fische ein und gediehen beide aufs beste.

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