„Na, also hungrig bist du auch nicht! Das ist ja ein schlechtes Zeichen.“
Der Einsiedlerkrebs fing an, das Haus tüchtig zu schütteln, und bemerkte, daß die Seeanemone nicht so fest saß wie sonst. Aber es krachte so in ihm selber, daß er einen gehörigen Schreck bekam. Die Seeanemone ließ ihre Brennesseln auf einen vorbeistreichenden Fisch gleiten, aber sie brannten nicht mehr. Der Einsiedlerkrebs griff mit der Schere danach, traf aber nicht, so daß der Fisch unversehrt weiterschwamm.
Die beiden Freunde sahen sich mißtrauisch an.
„Lieber Freund,“ sagte der Einsiedlerkrebs. „Jetzt, glaube ich, ist unsre Freundschaft in ihr letztes Stadium getreten. Es ist kein Zweifel mehr: du bist alt und taugst nichts mehr. Deine Brennesseln brennen nicht mehr, und du bist so schlecht zu Fuß, daß du dich kaum an meinem Schneckenhaus festhalten kannst. Unsrer Verabredung gemäß, beabsichtige ich darum, dich aufzufressen.“
„Ich wollte gerade dasselbe zu dir sagen,“ entgegnete die Seeanemone. „Du bist ja ein reines Wrack geworden. Deine Schere ist gar nicht mehr scharf, und du kannst sie ganz und gar nicht mehr regieren. Das Beste ist: ich mache deinen Leiden ein Ende.“
Dann betrachteten sie einander wieder ein Weilchen, und keiner von ihnen wollte beginnen.
„Wie gut, daß du zuerst alt geworden bist,“ sagte hierauf die Seeanemone. „Was wolltest du ohne mich machen?“
„Das will ich dir sagen,“ erwiderte der Einsiedlerkrebs. „Wenn ich dich gefressen habe, werd’ ich mich auf der Stelle nach einer jungen, schönen Seeanemone umsehen.“
„Ja, wie gut wir zueinander passen! Ich überlegte mir gerade, daß ich mich nach einem tüchtigen Einsiedlerkrebs umsehen muß.“
„Hau, hau,“ sagte die Krabbe, die in diesem Augenblick mit seitlichem Gang herankroch. „Ah ... da haben wir ja den großmäuligen Vetter. Na ... hast du einen Freund gefunden?“