„Das wäre beinahe böse abgelaufen,“ sagte sie. „Nun kommt aber die Reihe an mich.“

In diesem Augenblick näherte sich eine kleine, nette Fliege, die das Netz nicht sah; sie flog mitten hinein und blieb elendiglich darin hängen.

„Das ist Handgeld,“ triumphierte die Spinne.

Mit ihren Kiefern, die voller Gift waren, biß sie die Fliege, so daß sie augenblicklich starb. Dann fraß sie sie. Und ebenso machte sie es mit den drei nächsten, die ins Netz kamen. Darauf konnte sie nicht mehr. Verschiedenes kleines Gewürm, das jämmerlich gefangen wurde, ließ sie hängen und zappeln, ohne daß sie sich rühren machte. Als schließlich noch eine schöne, fette Fliege kam, biß sie sie tot, spann sie in ein kleines Netz ein und hängte sie auf.

„Sie wird mir nächstens gut munden, wenn schlechte Zeiten kommen,“ sagte sie.

„Sehr vernünftig,“ sagte die Maus. „Das ist eigentlich das erste deiner Worte, das ich billigen kann. Aber sonst, das muß ich sagen, gefällt mir deine Methode nicht. Du bist mir allzu hinterlistig. Und dann verwendest du Gift wie die Schlange. Das finde ich nicht ehrenhaft.“

„Findest du das?“ antwortete die Spinne höhnisch. „Das ist wohl schlimmer, als was ihr tut? Du stößt wohl in die Trompete, wenn du auf deine Beute zuschleichst ... nicht wahr, du liebe, fromme Maus?“

„Ich möchte es schon tun, wenn ich nur eine Trompete hätte,“ sagte die Maus. „Ich bin — Gott sei Dank! — kein Räuber und Mörder wie du. Ich sammle meine Nüsse und Eicheln und was mir sonst zufällt, und habe nie jemandem etwas zuleide getan.“

„Nein, du bist ein süßes, liebes Mädel von der alten Sorte,“ höhnte die Spinne. „Du nimmst, was abfällt, und bist froh dabei. Dann gehst du nach Hause und läßt dich von deinem Manne und deinen Kindern liebkosen. Ich bin nun mal aus andrem Stoffe gemacht, will ich dir sagen. Ich mache mir nichts aus der Koserei, aber ich habe Appetit. Ich will Fleisch haben ... schönes, saftiges Fliegenfleisch. Und viel. Ich bitte um nichts, sondern verschaffe mir selbst, was ich nötig habe. Geht es mir gut, so habe ich selbst die ganze Ehre und das Vergnügen; geht es schlecht, so heule ich keinem was vor. Es wäre gut, wenn es viele Frauenzimmer gäbe wie mich.“

„Du bist so roh,“ sagte die Maus.