„Unsinn!“ versetzte die Spinne. „Es ist mit dem einen wie mit dem andern. Ich bin nicht schlimmer als die meisten Leute. Was den Geißfuß und die Petersilie angeht, die machen einander die Schmetterlinge und Bienen streitig und stehlen sich Licht und Luft weg, wo sie nur können.“

„Sehr richtig,“ bestätigte die Petersilie.

„Ein ungeheuer verständiges Frauenzimmer,“ fügte der Geißfuß hinzu.

Aber die Maus meinte: „Du hast einen so häßlichen Namen.“

„Kann nichts dafür,“ erwiderte die Spinne. „Die Menschen haben ihn mir gegeben, weil ich in meinen Kiefern ein klein wenig Gift habe. Die armen Fliegen, die ich fange, tun ihnen so furchtbar leid; und dabei schlagen sie selbst jede Fliege tot, die sich auf ihre Nase setzt. Jacke wie Hose. Nichts als Getue und Ziererei. Übrigens habe ich nichts dagegen, den Namen zu wechseln. Du kannst mich Spinner nennen, wenn das dir besser gefällt. Das kann ein feines Dämchen wie du sagen, ohne in Ohnmacht zu fallen; und das paßt für mich, weil kein Tier der Welt so hübsch spinnt wie ich.“

„Das mag ja alles sein,“ sagte die Maus und schüttelte ihren Kopf. „Aber es sieht nun einmal schlimm aus, was du tust; und unerlaubt häßlich bist du auch.“

Da lachte die Spinne: „Ach so, daran nimmst du Anstoß! Sieh mal, liebe Madam’ Maus, ich bin praktisch angezogen. Mein ärmliches graues Kleid paßt zu meiner Arbeit, und es erweckt kein unnötiges Aufsehen. Gott sei Dank! Ich brauche mich nicht zu putzen wie die andern, die sich aufdonnern, um Glück in der Liebe zu haben, und tirilieren und stolzieren, daß ein vernünftiges Wesen sich schämen muß. Aber natürlich verachten die Tröpfe mich wegen meiner einfachen Kleidung. Laß ihnen die Freude! Ich mache mir nichts daraus. Und ich fresse sie, wenn sie in mein Netz kommen.“

Die Maus schüttelte den Kopf und ging, während die Petersilie und der Geißfuß leise miteinander tuschelten. Die Spinne aber hing in ihrem Netze, streckte die Beine aus und verdaute.

Als die Sonne hervorkam, kroch sie unter ihr Blatt; und nun war die Maus wieder da und guckte hinauf.

„Schläft sie?“ fragte sie.