„Willst du wohl gleich aufhören!“ schrie sie erbost. „Das klingt ja so traurig, daß es einem ordentlich zu Herzen geht. Sorge lieber dafür, daß die Anemonen aufspringen! Ich meine, es ist Zeit. Und außerdem wird es einem immer wärmer, wenn auch andere mitfrieren.“
Aber kaum hatten die Anemonen die ersten Triller des Stars gehört, so steckten sie vorsichtig ihre Köpfchen aus der Erde heraus. Freilich waren sie noch so in grüne Tücher eingepackt, daß man sie noch gar nicht sehen konnte. Sie sahen wie grüne Keime aus, aus denen alles mögliche werden konnte.
„Es ist zu früh,“ flüsterten sie. „Wie schändlich von dem Star, uns heraufzulocken! Man kann sich doch auch auf keinen mehr in der Welt verlassen.“
Dann kam die Schwalbe.
„Twi! Twi!“ zwitscherte sie und durchschnitt die Luft mit ihren langen, spitzen Flügeln. „Heraus mit euch, ihr dummen Blumen! Merkt ihr denn nicht, daß der Junker Frühling gekommen ist?“
Aber die Anemonen waren vorsichtig geworden. Sie nahmen nur die grünen Tücher ein ganz klein wenig beiseite und lugten hinaus.
„Eine Schwalbe macht keinen Sommer,“ sagten sie. „Wo ist deine Frau? Du bist wohl nur hergekommen, um zu sehen, ob es hier schon erträglich ist; und jetzt willst du uns etwas weismachen. Aber wir sind nicht so dumm. Wir wissen wohl, daß, wenn wir uns eine ordentliche Erkältung holen, es aus mit uns ist für diesmal.“
„Ihr seid mir ein paar Rechte,“ zwitscherte die Schwalbe und setzte sich auf die Wetterfahne auf Försters Dach und schaute in die Landschaft hinaus.
Aber die Anemonen warteten und froren. Ein paar, die ihre Ungeduld nicht bezähmen konnten, warfen die Tücher im Sonnenschein ab. Doch in der Nacht biß die Kälte sie tot, und die Geschichte von ihrem jämmerlichen Tode ging von Blume zu Blume und erregte überall großes Entsetzen.