Endlich kam der Junker Frühling — in einer wunderschönen milden, stillen Nacht.
Niemand weiß, wie er aussieht, denn niemand hat ihn je gesehen. Aber alle sehnen sich nach ihm und danken ihm und segnen ihn. Er geht durch den Wald und rührt die Blumen und Bäume an, und flugs springen die Knospen auf. Er geht durch die Ställe und macht die Tiere los und läßt sie auf die Wiese hinaus. Bis in die Menschenherzen dringt er ein und macht sie froh. Wenn er da ist, hält es der artigste Bube nicht aus, ruhig auf seiner Schulbank zu sitzen, und er hat furchtbar viele Fehler in den Schulheften auf dem Gewissen.
Aber nicht auf einmal richtet er das alles aus. Nacht für Nacht ist er bei der Arbeit, und er kommt zuerst zu denen, die sich am meisten sehnen.
So kam es, daß er in derselben Nacht, wo er eintraf, gleich zu den Anemonen hinging, die es in ihren grünen Tüchern nicht mehr aushalten konnten.
Und eins, zwei, drei! standen sie in neuen, weißen Kleidern da und waren so frisch und schön, daß die Stare vor Vergnügen darüber ihre schönsten Lieder sangen.
„Nein ... wie schön ist es hier!“ riefen die Anemonen. „Wie ist die Sonne so warm, und wie lieblich singen die Vögel! Tausendmal besser ist es als im vorigen Jahr.“
Aber das sagten sie nun jedes Jahr, darauf kann man also nichts geben.
Als die Welt sah, daß die Anemonen aufgesprungen waren, da gerieten viele andere ganz außer sich. Da war ein Schulbube, der schon Sommerferien haben wollte; und dann die Buche; wie fühlte sie sich zurückgesetzt!
„Kommst du nicht auch bald zu mir, Junker Frühling?“ fragte sie. „Ich bin doch eine viel wichtigere Person als die armseligen Anemonen, und ich kann wirklich meine Knospen nicht länger halten.“