Sogar die Anemonen, die unten in der Erde lagen und warteten, daß der Frühling zurückkehrte, wie er es ihnen versprochen hatte, verspürten seinen Atem, und es lief ihnen eiskalt über die Wurzeln.
„O weh, wie kalt ist es,“ sagten sie zueinander, „Wie werden wir nur den Winter überstehen? Wir sterben sicher, ehe er um ist.“
„Jetzt ist meine Zeit gekommen,“ sagte der Winter. „Jetzt brauche ich nicht länger umherzuschleichen wie ein Dieb in der Nacht. Von morgen an will ich allen Leuten frank und frei ins Gesicht sehen, will sie in die Nase beißen und ihnen das Wasser in die Augen treiben.“
Und in der Nacht ließ er den Sturm los.
„Mach reinen Tisch, hörst du!“ befahl er.
Und der Sturm gehorchte. Heulend fuhr er durch den Wald und rüttelte an den Ästen, daß sie knarrten und krachten. Die, die nicht mehr ganz frisch und lebensfähig waren, fielen ab, und die, die aushielten, mußten sich nach allen Seiten beugen und biegen.
„Weg mit dem ganzen Staat!“ heulte der Sturm und riß die Blätter ab. „Jetzt ist nicht die Zeit, sich zu putzen. Über ein Weilchen kommt Schnee auf die Zweige — das wird eine andere Geschichte.“
Die Blätter fielen vor Schreck zu Boden, aber der Sturm ließ sie nicht in Ruhe. Er faßte sie um den Leib und tanzte mit ihnen über das Feld hin, hoch in die Luft und wieder in den Wald, fegte sie zu großen Haufen zusammen und wehte sie nach allen Seiten auseinander — ganz wie er Lust hatte.
Erst als der Morgen kam, war der Sturm müde und legte sich.
„Nun sollt ihr für diesmal Frieden haben,“ sagte er. „Ich ruhe mich jetzt aus bis zum Frühjahrsreinemachen. Dann können wir wieder eine Runde tanzen, das heißt, wenn dann noch etwas von euch übrig ist.“