Zwei Stunden lang dauerte der Regen an. Dann war der Himmel wieder klar, und die Sonne schien. Aber jeder Fleck war mit einem Gewirr von Heuschrecken bedeckt. Sie hingen an den Zweigen der Bäume, die zu Boden niedergedrückt wurden und zerbrachen. Sie bissen in die Steine, wenn sie in nichts andres zu beißen hatten. Sie krochen und sprangen auf Menschen, Hunden und Hühnern herum, rieselten herunter und kletterten wieder hinauf. Und wo ein Grashalm oder ein Blatt war, da fraßen sie sofort alles auf.

Die Leute wußten sich nicht zu helfen. Sie stiegen auf die Anhöhen und blickten über ihre fruchtbaren Felder hin ... alles war von dem Heuschreckenteppich bedeckt. Sie starrten zum Himmel und sahen in der Ferne am Horizont eine neue Wolke, drohend und schwarz wie die erste. Und während sie starrten, wuchs sie und kam näher; und ehe sie zur Überlegung kamen, fiel ein neuer Heuschreckenregen über sie nieder. Sie glaubten, das Ganze habe weder Anfang noch Ende, saßen in ihren Häusern und verzweifelten.

Dann stürzten sie hinaus, brachen die Zweige von den Bäumen und schlugen auf die Tiere los, bis sie die Arme nicht mehr bewegen konnten. Millionen lagen erschlagen auf der Erde. Billionen und Trillionen krochen und sprangen knirschend und fressend umher.

Man zündete das Gras an, wo die Tiere am zahlreichsten waren. Das Feuer knisterte, der Rauch quoll empor, das grüne Gras und das gelbe Getreide loderten auf. Man konnte die Heuschrecken im Feuer krachen hören. Aber es half nichts. Millionen und Billionen flogen über das Feuer weg an Stellen, wo es nicht brannte, und fraßen und fraßen weiter.

Acht Tage dauerte es. Dann war nichts mehr zu fressen da. Der Schwarm erhob sich, sammelte sich in der Luft zu einer ungeheuren Wolke und zog fort ... nach Norden übers Meer hin.

Und die Menschen standen und starrten ihnen nach. Braut und Bräutigam beweinten ihr zerstörtes Heim. Die Spielleute hängten die Geige an die Wand, und der alte Mann starb vor Gram.

Das ganze glückliche Land war verödet.

*

Im Herbst flog die Schwalbe wie gewöhnlich nach Afrika. Sie hatte Hochzeit gefeiert und ein Nest erbaut, hatte ihre Eier gelegt und ausgebrütet und die letzte Mücke verzehrt. Damit war ihre Arbeit im Norden für diesmal getan, und zugleich war der Sommer vorbei. Es war eine alte Schwalbe, die die Reise bereits viele Male hin und her zurückgelegt hatte, so daß sie den Weg recht genau kannte. Sie hatte auch ihre Raststätten, wo sie ihre Flügel für einen oder zwei Tage ausruhen ließ, bevor sie weiterflog.

Im Mittelmeer lag eine wunderschöne kleine Insel, die die Schwalbe auf ihrem Wege nach Süden stets besuchte. Sie war nicht so groß, daß sie auf der Landkarte stand; aber darum kann es doch eine schöne Insel sein, besonders für eine Schwalbe; und außerdem hat sie den Vorzug, daß man sich in der Geographie nicht mit ihr zu quälen braucht. Und herrliche Bäume waren da und Felder und Menschen und Tiere; darunter befand sich ein kleiner grüner Zeisig, der ein guter Freund der Schwalbe war.