Als nun die Schwalbe diesmal auf die Insel kam und sich auf dem Baume niederließ, wo der Zeisig wohnte, sah sie sich erstaunt um.

Die Insel war gar nicht wiederzuerkennen. Im Walde hörte man keinen einzigen Vogel zwitschern, und es war kein Tier auf dem Felde. Auch Menschen sah man nicht. Kein Rauch stieg aus den Schornsteinen der Häuser auf; alle Fenster und Türen waren weit geöffnet. Von Getreide war keine Spur zu sehen, alles Gras war weg; die Bäume hatten nur noch wenige Blätter, viele von ihnen waren gestürzt, bei andern waren die Zweige abgestorben. Es war ein trauriger Anblick. Da begann die Schwalbe zu glauben, sie sei verkehrt geflogen, aber dann kam der Zeisig und setzte sich neben sie. Er war mager und zerzaust und sah traurig drein.

„Was in aller Welt bedeutet das hier?“ fragte die Schwalbe.

„Das darfst du wohl fragen,“ erwiderte der Zeisig. „Ich bin der einzig Überlebende auf der ganzen Insel, und ich werde auch sterben, ehe die Woche um ist. Denn ich glaube nicht, daß ich die Kraft habe, mit dir zu fliegen.“

„Was ist denn geschehen?“ fragte die Schwalbe.

„Es sind die Heuschrecken,“ erzählte der Zeisig. „Sie sind zur Hochsommerzeit gekommen und haben die ganze Insel kahlgefressen.“

„Das verstehe ich nicht,“ sagte die Schwalbe. „Ich habe einmal weit, weit in Afrika mit einem Heuschreckenweibchen gesprochen. Sie spielte Violine und fraß Gras, ohne sonst einer Menschenseele etwas zuleide zu tun ... Ja ... wart’ ein wenig ... jetzt entsinne ich mich, daß sie davon sprach, daß ihre Kinder nach Norden reisen sollten ... Millionen von Kindern sollten zur Welt kommen.“

„Die sind zur Welt gekommen,“ sagte der Zeisig. „Millionen und Billionen und Trillionen. Sie sind über uns hergefallen gleich einer schwarzen Wolke und haben das Ganze aufgefressen.“

„Mit dem Gras und den Blüten mag es hingehen,“ sagte die Schwalbe. „Aber wo sind die Kühe und Pferde und Menschen geblieben? Die haben sie doch nicht fressen können.“