„Nicht so unmittelbar,“ antwortete der Zeisig. „Aber nun sollst du hören.“
Da bekam die Schwalbe plötzlich Angst. Es fiel ihr ein, daß das Heuschreckenweibchen sich so genau nach dem grünen Lande im Norden erkundigt und seinen Kindern in den Eiern zugeflüstert hatte, daß sie dorthin ziehen sollten.
„Um Gottes willen ... sag’ mir zu allererst, wohin die Heuschrecken gezogen sind,“ fragte sie.
„In den Tod,“ erwiderte der Zeisig. „Nicht viele von ihnen sind mit dem Leben davongekommen.“
„Erzähle,“ sagte die Schwalbe beruhigt.
Und der Zeisig erzählte.
Daß sie gekommen wären, wie sie zu kommen pflegten, und daß sie am Himmel gestanden hätten als eine ungeheure schwarze Wolke, die dann über die Insel niedergefallen wäre. Die Wolke wäre größer als die Insel gewesen, so daß viele der Tiere ringsum ins Meer gefallen wären. Und nur einen Tag hätte es gedauert, bis alle grünen Hälmchen aufgefressen waren.
„Und was dann?“ fragte die Schwalbe.
„Dann entstand am Abend ein entsetzlicher Sturm,“ berichtete der Zeisig. „Noch nie habe ich solch einen Sturm erlebt. Die Dächer flogen von den Häusern, die Bäume im Walde zerbrachen, und die Wogen rollten in Bergeshöhe auf die Küste zu. Und dieser Sturm vernichtete das ganze Heuschreckenheer. Als er vorüber war, da war das Meer, soweit man sehen konnte, mit toten Heuschrecken bedeckt. In vielen Schichten lagen sie da, gleich einer dicken Decke, die auf und nieder wogte. Das Ufer war ganz mit Leichen angefüllt, und jeder Wellenschlag brachte mehr und mehr heran. Zuletzt umgab ein gewaltiger Wall von toten Heuschrecken die ganze Insel. Denn es war gleichgültig, woher der Wind wehte; das Meer war überall voller Leichen, und sie trieben hierhin und dorthin und endigten sämtlich auf der Insel.“
„Das war gut für sie,“ sagte die Schwalbe.