„Vielleicht,“ sagte der Zeisig. „Aber es war nicht gut für uns. Denn dann kam die Pest.“
„Erzähle,“ bat die Schwalbe.
„Es ist bald erzählt,“ sagte der Zeisig. „Auf den Sturm folgte eine Windstille, und dann folgte viele Wochen hindurch eine solche Wärme, wie sie noch niemand je erlebt hatte. Die Sonne brannte vom Morgen bis zum Abend hernieder, die Bäume ließen ihre entblätterten Zweige hängen, alles Wasser trocknete ein, und Tiere und Menschen saßen still da und ächzten und konnten sich kaum bewegen.“
„Und dann?“
„Dann kam die Pest,“ fuhr der Zeisig fort. „Die toten Heuschrecken verfaulten, und es entstand ein entsetzlicher Gestank, der sich mit jedem Tage verschlimmerte. Ein ganzer Nebel von Gift und Fäulnis lag über der Insel. Die Tiere wurden krank, und die Menschen wurden krank. Die Fliegen fielen tot aus der Luft herab, die Vögel piepten und waren im selben Augenblick entseelt. Die Pferde und Kühe stürzten tot zu Boden. Die Menschen seufzten auf, wo sie saßen und Qualen litten, und dann war es vorbei. Es war die Pest, die alle lebenden Wesen ergriff. Ich bin der einzige Überlebende auf der Insel, und ich sterbe, bevor es Abend wird.“
„Das ist ja eine grauenhafte Geschichte,“ sagte die Schwalbe. „Das einzige Gute daran ist, daß auch die Heuschrecken tot sind. Das kommt davon, wenn man den Mund zu weit auftut. Und dann spuckten sie obendrein ihr Futter wieder aus. Hätten sie wie andere ordentliche Leute gegessen, so wäre genug für sie und für uns alle vorhanden. Ich will daran denken, es da unten zu sagen, wenn ich in das Land komme, wo sie wohnen. Wie seltsam! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schön das Heuschreckenweibchen Violine spielte!“
Sie saß ein Weilchen da und dachte über die Sache nach. Dann lüftete sie die Flügel.
„Jetzt muß ich fort,“ sagte sie. „Willst du mit?“
Der Zeisig antwortete nicht. Er war vom Zweige herabgefallen und lag tot auf der Erde.
Da flog die Schwalbe allein weiter.