Der alte Pfahl.

An einer Stelle im Limfjord in Jütland stand einmal ein alter Pfahl.

Niemand wußte, wie er dahingekommen war. Er wußte es selbst nicht mehr, so alt war er. Und zuweilen war es recht ärgerlich für ihn, daß er dort stand.

Eines Tages lief ein Dorsch mit der Stirn gegen ihn und fluchte darob ganz grauenhaft.

„Du mußt mir nicht böse sein, mein lieber Dorsch,“ sagte der Pfahl. „Ich kann mich nicht von der Stelle rühren, aber du kannst es. Sieh dich vor und schwimm ein andermal um mich herum.“

Und dann stieß eines Tages ein Boot gegen den Pfahl; denn er reichte nicht bis über die Wasserfläche, so daß man ihn von oben hätte sehen können.

„Wozu in aller Welt steht denn hier dieses alte Gestell von Pfahl!“ rief der Mann in dem Boote ärgerlich.

„Ich weiß es wahrhaftig nicht,“ erwiderte der Pfahl sanftmütig. „Ihr dürft deswegen nicht böse auf mich sein, denn ich kann nichts dafür. Ich habe mich nicht selbst hierher gesetzt und kann mich nicht mehr darauf besinnen, wer es getan hat. So alt bin ich. Will jemand mich wegnehmen, so sei er so gut! Ich hab’ die Sache längst satt.“