So bescheiden sprach der Pfahl jedesmal, wenn er jemandem unbequem war. Aber man antwortete ihm nie. Denn niemand hörte, was er sagte. Die Sache war die, daß er seine Reden in den Bart hineinmurmelte.
Einen Bart hatte er nämlich.
Einen großen, grünen Tangbart, darin sich kleine Muscheln und Schnecken und andere Tiere aufhielten. Dieser Bart wallte im Strome hin und her, war sehr hübsch und gab dem Pfahl ein ehrwürdiges Aussehen, so daß er durchaus Respekt bei der Jugend verdient hätte.
Aber die Jugend ist nun einmal nicht anders. Und es quälte den Pfahl über die Maßen, daß er nicht Rede und Antwort auf die Frage stehen konnte, welchen Sinn sein Leben hier im Fjord habe. Wenn er es gekonnt hätte, würde er größere Achtung bei den Leuten genossen haben, davon war er überzeugt. Aber wie sehr er sich auch mit seinen alten Gedanken quälte, es schwebte ihm nur eine undeutliche Erinnerung daran vor, daß er einmal jung und grün gewesen war und Blätter und Zweige gehabt hätte. Dann war er als Nutzholz gefällt worden ... aber was für Nutzen hatte er gestiftet?
Der einzige Lichtpunkt im Leben des alten Pfahls waren seine beiden Logiergäste.
Zuerst war da der Bohrwurm.
Das war ein komischer Kerl, der eines Tages kam und sich daran machte, den Pfahl auf das sorgfältigste zu untersuchen, ohne um Erlaubnis zu bitten oder überhaupt ein Wort zu sagen. Er hatte einen langen, weichen Würmerleib, an dessen Ende ein paar Luftgefäße saßen, während sich am andern Ende zwei kleine harte Schalen befanden.
Als er genug herumgeschnuppert hatte, fing er an, sich mit den Schalen in den Pfahl hineinzubohren, und die Arbeit machte ihm nicht lange zu schaffen. Bald war sein ganzer langer Körper darin geborgen. Von Zeit zu Zeit steckte er die Luftgefäße zu dem Loche hinaus. Und im übrigen fuhr er fort zu bohren und zu wühlen, so daß der Pfahl dachte, er würde zusammenbrechen.
„Guten Tag in der Stube,“ sagte schließlich der Pfahl.