Er. Verschiedene seiner Freunde, die mit ihm zu gleicher Zeit lebten, haben uns die Zeugnisse davon in einem großen Buche hinterlassen, worin sie seine Thaten und Reden hienieden aufzeichneten, und wovon das geringste zu bezweiflen, Sünde wäre — in einem Buche, dessen Ansehn und Glaubwürdigkeit göttlich, d. h. untrüglich ist, und welches wir, in zweifelhaften Fällen, auszulegen alleine Macht von Gott haben.

Ich. Allen Respekt vor diesem Buche, das Freunde schrieben — und Priester auslegen — Aber wie kam dann Ihr Gott auf Ihre Welt?

Er. Er ward durch eine Jungfrau, gemeinen Standes, geboren, die versicherte: daß er nicht von einem Manne, sondern von der Kraft des Himmels in ihr gezeugt worden war, und daß ein Engel in der Abenddämmerung ihr es vorher verkündigt, worauf sie gleich empfangen habe; und zwar ohne Verletzung ihrer Jungferschaft: und eben so unverletzt gebar sie!

Ich. Sonderbar! also nicht durch den natürlichen Weg?

Er. Wie anders?

Vielleicht, dacht’ ich, ist hier das weibliche Geschlecht anders, als bei uns, beschaffen. Da ich aber meine Neugierde darüber nicht geradezu äußern wollte: so fragt’ ich durch Umwege.

Ich. Aber sagen Sie uns doch zur Güte, wie haben wir dies zu verstehen: durch Kraft des Himmels empfangen, und ohne Verletzung der Jungfrauschaft gebären?

Er, mit einer andächtigen Zuckung. Das ist eben wieder das heilige, unerforschliche Geheimniß, vor dem wir unsere schwache Vernunft tief beugen müssen.

Ich. Woher wußte man aber dann, daß alles, was diese gemeine Weibsperson sagte, so pünktlich wahr sei? War etwa die Erscheinung und die Verkündung des Engels von Zeugen gesehn und gehört — war die Jungfrauschaft nach der Geburt untersucht worden??

Er, hitzig mit rollendem Auge. Gott bewahre! was denken Sie? Aber der Herr mag Ihrer Unwissenheit vergeben: sonst würden Sie schwere Verantwortung über das schändliche Mißtrauen und über die Unehrerbietigkeit zu geben haben, die Sie gegen seine göttliche Mutter bezeigen.