Karin, deren Augen auch reden können, war gerade im Begriff, etwas zu antworten, worüber ich mich sicher gefreut, und was mir geschmeichelt hätte, als ein durchdringendes Heulen aus dem Jammertal uns rasch in die gute Stube zurückrief. Es war Kersti, unser jüngstes Kind, die wild schreiend hereingestürzt kam.
Da war irgend etwas, was sie haben wollte. Ob es der Mond oder ein Stück Zucker war, weiß ich nicht mehr, nur, daß Karin das Gör in die Küche warf, „bis sie wieder lieb wäre“. Brita, die diese Strafe grauenhaft fand, heulte. Und Lisbeth kam herein, Laute von sich gebend, die nie enden zu wollen schienen. Bei Suzanne, die auch nur ein Mensch ist, tropften schwere Tränen auf die Schürze herunter, Ulf schluchzt nun ein für allemal ohne Grund und Ursache, und Pontus, der keine richtigen Tränen herausbringt, schneidet Gesichter — in einer höchst unangenehmen Weise. Mitten in diesem ganzen Elend geht Lisbeth in die Küche heraus, kommt mit Kersti an der Hand zurück, und führt sie mit festem Schritt und den Blick streng und resolut auf uns gerichtet, zu ihrem Platz am Eßtisch.
Es war nämlich Abendbrotszeit. Niemand wagte, die Sache weiter zu berühren — denn Lisbeth ist ein Charakter. Nach kaum fünf Minuten strahlt die ganze Familie in Glück, Friede und Einvernehmen. Kersti fragt, ob Papa ein von ihr gedichtetes, schönes Lied hören will, ähnlich wie sie immer zu dichten pflegt:
„Und der Kuckuck er ruft,
auf der Wiese so blau.“
Jetzt küßte ich Karin vor all den Gören. Mögen sie denken, was sie wollen.
Einst sagte ich in einem verzweifelten Augenblick meines Lebens zu mir selbst: „Es muß doch spaßhaft sein, weiter zu leben, um zu sehen, wie es später wird.“
Seitdem sind zwanzig Jahre vergangen.