B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge. 843–1096.

§ 1. Italien und Deutschland.

843–875.

Karolinger[30] in Italien.

Lothar regiert bis 855, nach ihm sein ältester Sohn Ludwig II. als Kaiser bis 875; er herrscht über Italien; von den beiden jüngeren Söhnen erhält Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zur Rhone und Saône (Lothari regnum, Lothringen), Karl den südlichen Teil. Die nordafrikanischen Araber (Sarazenen), seit 827 im Besitze Siciliens, beunruhigen durch Seezüge die Küsten Italiens. Rom gesichert durch die aurelianische Mauer (S. 134); Papst Leo IV. läßt auch den Stadtteil auf dem rechten Tiberufer (Peterskirche und Vatikan) ummauern.

Papst Nikolaus I. (858–867), gestützt auf die pseudo-isidorischen Dekretalen (S. 145) (Bischof Isidor von Sevilla, um 600, hatte zuerst päpstliche Entscheidungen gesammelt), bringt die päpstliche Macht gegenüber den Bischöfen und den karolingischen Herrschern zu hohem Ansehen, kann aber die durch dogmatische Streitigkeiten veranlaßte Loslösung der griechisch-katholischen Kirche von der Oberhoheit Roms nicht verhindern. Der Patriarch Photius in Konstantinopel tritt 863 dem päpstlichen Bann entgegen; völlige Trennung der beiden Kirchen erst 1054.

Die Slavenapostel Methodius und Cyrillus, 863 aus Thessalonich nach Mähren berufen, erkennen Roms Oberhoheit an; von Mähren aus verbreitet sich das Christentum um 900 nach Böhmen und Polen.

875.

Karl der Kahle von Frankreich gewinnt in Rom die Kaiserkrone, † 877 (Karl II.).

843–911.