Bei dem Mangel geordneter Rechtsprechung von Reichs wegen gewinnt das von dem sächsischen Schöffen Eike von Repgow um 1230 aufgezeichnete Rechtsbuch, der Sachsenspiegel, bald große Verbreitung; in ähnlicher Weise wird das in Oberdeutschland geltende Land- und Lehnsrecht um 1276 im Schwabenspiegel aufgezeichnet. In Westfalen entwickeln sich aus den alten Grafschaftsgerichten die Femgerichte; der Erzbischof von Köln Oberstuhlherr, Freischöffen im ganzen Reiche.

Allmähliches Aufblühen der Städte: sie streben, zum Teil auf frühere kaiserliche Privilegien gestützt, nach Selbstregierung durch den von den Bürgern erwählten Rat. Worms und Köln treten schon unter Heinrich IV. und V. hervor. Die Bürger von Köln behaupten ihre Rechte im Streit gegen den Erzbischof 1258–1271 und in der Schlacht bei Worringen 1288, die Bürger von Straßburg siegen über den Bischof 1262 bei Hausbergen. Diese und andere bischöfliche Städte (Worms, Speier, Augsburg, Regensburg) werden gleich den früher von königlichen Beamten (Burggrafen oder Vögten) regierten Städten (Frankfurt, Aachen, Dortmund, Lübeck, Goslar, Nürnberg, Ulm u. a.) allmählich zu freien Reichsstädten. Andere bleiben unter bischöflicher oder fürstlicher Hoheit (Mainz, Magdeburg, Würzburg, München, Braunschweig, Stralsund u. a.), erlangen aber doch bedeutende Rechte zur Sicherung ihres Handels und Gewerbefleißes.

Aufblühen der Baukunst. Den romanischen Rundbogenstil (Dome zu Mainz, Worms, Speier und Bamberg; Wartburg) verdrängt allmählich der zuerst von den Arabern angewandte sog. gotische Spitzbogenstil: Dom zu Köln 1248 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden an Stelle eines älteren Doms gegründet; Erwin von Steinbach beginnt 1277 die Westfront des Münsters zu Straßburg.

1266–1268.

Untergang des staufischen Herrscherhauses in Italien.

Manfred verteidigt das Königreich beider Sicilien zuerst als Reichsverweser für Konradin, den in Deutschland zurückgebliebenen Sohn Konrads IV., seit 1258 als König. Er fällt 1266 in der Schlacht bei Benevent im Kampfe gegen Karl von Anjou, Bruder Ludwigs IX. von Frankreich, welchem der Papst das Königreich zu Lehen gegeben hat.

Konradin geht 1267 mit Friedrich von Baden (als Sohn der babenbergischen Erbtochter von Österreich auch Friedrich von Österreich genannt) nach Italien. Er wird 1268 bei Tagliacozzo (nahe dem Logo di Celano, Fuciner-See) geschlagen und auf Befehl Karls von Anjou in Neapel hingerichtet.

Die Grausamkeit des Königs erregt Unruhen in Sicilien.

1282. 30. März.

Sicilianische Vesper, so genannt, weil der Aufstand am Ostermontag gegen Abend ausbrach. Ermordung aller Franzosen in Palermo, dann in ganz Sicilien, angestiftet von dem Ghibellinen Johann von Procida. König Pedro III. von Aragon, Schwiegersohn Manfreds, vereinigt Sicilien mit seinem Reiche; Karl von Anjou behält das Königreich Neapel.