§ 3. Frankreich.
Allmähliches Erstarken des Königtums. Die Macht der Capetinger ist noch auf ihr Herzogtum Francien (Isle de France und Orléanais) beschränkt, doch halten sie die Lehnshoheit über die großen Vasallen fest.
Philipp I. (1060–1108) mit Gregor VII. in Streit wegen der Hoheitsrechte über die Bischöfe, während des ersten Kreuzzuges im Bann wegen Verstoßung seiner Gemahlin, vererbt doch die königlichen Rechte auf seinen Sohn Ludwig VI. (1108–1137). Dieser bringt mit Hilfe des staatsklugen Abtes Suger von St.-Denis die königliche Gerichtsbarkeit über die Vasallen zu Ansehen und fördert die Städte. Veredlung des Rittertums durch die Kreuzzüge; Aufblühen der ritterlichen Dichtkunst (Troubadours in der Provence, Trouvères in Nordfrankreich). Ludwig VII. (1137–1180) unternimmt den zweiten Kreuzzug (S. 174f.), läßt sich von seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien scheiden; diese heiratet Heinrich II. Plantagenet, König von England, der dadurch Poitou, Guyenne und Gascogne u. a.m. erhält.
1180–1223.
Philipp II. Augustus. Dritter Kreuzzug mit Richard Löwenherz (S. 175f.). Siegreiche Kriege gegen England nach der Rückkehr (S. 193); Mehrung der Königsmacht.
1209–1229.
Albigenserkriege in Südfrankreich, veranlaßt durch die Predigten der Cistercienser und Dominikaner (S. 178) gegen die kirchlichen Sekten der Katharer (in Deutschland Ketzer genannt) und Waldenser (Petrus Waldus zu Lyon 1173). Graf Raimund VI. von Toulouse nimmt sich der Bedrängten an, welche grausam verfolgt werden (Einwohnerschaft des erstürmten Béziers, 20000 Seelen, umgebracht), muß vor Simon von Montfort zurückweichen, gewinnt aber schließlich seine Besitzungen wieder. Philipp II., Augustus, vermeidet die Einmischung in den Krieg; sein Sohn Ludwig VIII. (1223–1226) folgt dem Hilferuf Amalrichs von Montfort gegen Raimund VII., stirbt aber vor Beendigung des Kriegszuges. Die päpstliche Inquisition vollendet die gewaltsame Bekehrung der Albigenser.
1226–1270.
Ludwig IX., der Heilige, anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter Blanka von Kastilien. Raimund VII. unterwirft sich 1229; die Grafschaft Toulouse mit der Krone vereinigt, ebenso andere Provinzen durch Vertrag oder Erbanfall. Friedliche Regierung, Verbot der Fehden, Fürsorge für die Rechtspflege; Gottesurteile abgeschafft; die Gerichtsbarkeit der großen Vasallen beschränkt durch die Oberaufsicht der königlichen Gerichte (Parlamente). Aufblühen der Universität Paris. Ludwigs Kaplan Robert von Sorbon gründet die Sorbonne, berühmt als Hauptsitz der theologischen Studien. Sechster und siebenter Kreuzzug (S. 177).