Sigismund, Wenzels Bruder, Markgraf von Brandenburg und König von Ungarn (als Gemahl der Tochter König Ludwigs des Großen, S. 217), gewählt besonders auf Betreiben des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, doch nur durch drei Kurstimmen, während die anderen für Jobst von Mähren abgegeben werden und Wenzel als dritter noch Ansprüche auf die Krone erhebt. Jobst † 1411; darauf zweite Wahl einstimmig für Sigismund. Dieser zieht nach Italien und einigt sich mit Papst Johann XXIII., Alexanders V. Nachfolger, über die Berufung eines allgemeinen Konzils nach einer deutschen Stadt.

1414–1418.

Kirchenversammlung zu Konstanz, zahlreich besucht von Fürsten und Prälaten, hat eine dreifache Aufgabe zu lösen: 1. Beseitigung der Kirchenspaltung (causa unionis), 2. Verbesserung der kirchlichen Zustände (causa reformationis), 3. Abstellung der Ketzerei (causa fidei).

Von der Reformpartei wird die Abstimmung nach Nationen (deutsche, franz., engl., italien., je eine Kuriatstimme) durchgesetzt. Papst Johann XXIII., der persönlich erschienen war, wird zu öffentlicher Abdankung bewogen, entflieht dann aber mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Österreich. Dieser, in die Acht erklärt, muß sich unterwerfen. Das Konzil spricht auf Antrag Gersons, des Kanzlers der Pariser Universität, den Grundsatz aus, daß das Konzil über dem Papste stehe; Johann XXIII. wird abgesetzt, Gregor XII. in Rom verzichtet freiwillig.

Inzwischen ist der Tscheche Johann Hus, Professor in Prag, Anhänger der Lehren des Engländers Wycliffe (S. 312, Verwerfung des Ablasses, der Ohrenbeichte, der Transsubstantiation), seit 1412 im Bann, im Vertrauen auf das von Sigismund ihm gewährte sichere Geleit in Konstanz erschienen; er wird als Ketzer verurteilt.

1415. 6. Juli.

Hus verbrannt, 1416 sein Freund Hieronymus von Prag. Sigismund reist nach Spanien, um Benedikt XIII., der sich von Avignon nach der Burg Peniscola (unweit Valencia) zurückgezogen hat, zur Abdankung zu bewegen. Dies mißlingt, aber die spanische Geistlichkeit sagt sich von Benedikt los. Sigismund reist über Paris nach England, um zwischen Frankreich und England Frieden zu vermitteln (S. 209), doch ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr 1417 Beratung über die Kirchenverbesserung (Beschränkung der päpstlichen Willkür in der Verleihung kirchlicher Ämter, Aufhebung drückender Abgaben, Besserung des Lebens der Geistlichen).

Dem Verlangen der Reformpartei, daß diese Verbesserung vor der Wahl eines neuen Papstes zum Abschluß komme, treten die Anhänger des Papsttums in den romanischen Nationen, verstärkt durch die Spanier als fünfte Nation, entgegen. Der neugewählte Papst Martin V. (Kardinal Colonna, S. 211) bringt drei Konkordate, mit den Deutschen, Engländern und Romanen, zum Abschluß, die aber nicht zur Abstellung der Mißbräuche führen.

1415.

Sigismund überträgt in Konstanz dem Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, als Belohnung für wichtige, ihm und dem Reiche geleistete Dienste die Mark Brandenburg mit der Kur- und Erzkämmererwürde (Belehnung 1417).