1423.
Sigismund belehnt Friedrich den Streitbaren, Markgrafen von Meißen, aus dem Hause Wettin (s. S. 179, 203) mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg, nach dem Aussterben der dort regierenden Askanier (S. 189). In Sachsen-Lauenburg regieren Askanier noch bis 1689, dann kommt das Land an Hannover.
1419–1436.
Hussitenkrieg. Entrüstung der Böhmen über Hus’ Hinrichtung. Seine Anhänger, Hussiten, auch Utraquisten genannt (weil sie das Abendmahl sub utraque specie, Brot und Wein, auch für die Laien verlangen), wollen die Ausübung ihrer vom Konzil verworfenen Lehre mit Gewalt durchsetzen. König Wenzel sucht zu vermitteln; nach seinem Tode 1419 Aufstand in Prag. Ziska, Anführer der Hussiten. Sigismund, Erbe der böhmischen Krone, wird zwar in Prag gekrönt, muß aber das Land bald verlassen. Die 1421 in Böhmen eindringenden Reichstruppen werden zurückgeschlagen, Sigismunds Heer wird 1422 bei Deutsch-Brod vernichtet. Verheerende Züge der Hussiten in die umliegenden Länder (Österreich, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Lausitz, Brandenburg); öftere Niederlagen der gegen sie aufgebotenen Reichsheere.
1431–1449.
Konzil zu Basel, zur Wiederherstellung des Friedens und zur Durchführung der kirchlichen Reformen berufen. Durch Gesandte des Konzils wird ein Vergleich mit den gemäßigten Hussiten (Kalixtinern, Utraquisten) geschlossen: Prager Kompaktaten 1433; die Taboriten, (Tabor, Stadt in Böhmen), welche den Vergleich nicht annehmen, werden bei Böhmisch-Brod 1434 besiegt, Sigismund zieht 1436 in Prag ein.
Während dieser Bedrängnis des deutschen Reiches im Osten erhebt sich im Westen die Macht der französischen Herzöge von Burgund, welche ansehnliche deutsche Reichslehen an sich bringen. Philipp der Kühne (S. 208) verschafft seinem zweiten Sohne die Nachfolge in Brabant und Limburg; sein Enkel Philipp der Gute erbt diese Länder und außerdem 1428 die Grafschaften Holland, Seeland, Hennegau, bald auch Luxemburg. Auch das Herzogtum Lothringen kommt nach dem Aussterben des Mannesstammes (S. 165) 1431 an eine französische Dynastie, da die Erbin sich mit René von Anjou, Graf von Provence, Titularkönig von Neapel (S. 211) vermählt.
Im Innern des deutschen Reiches Verwirrung, Fehden und Selbsthilfe. Bei der herrschenden Rechtsunsicherheit erlangen die Femgerichte (S. 190) für einige Zeit große Bedeutung.
1438–1740.
Kaiser aus dem Hause Habsburg.