Kasimir der Große, trefflicher Regent, sorgt für den Bauernstand, gründet Städte, zieht deutsche Ansiedler herbei. Ihm folgt sein Schwestersohn Ludwig der Große (s. unten) von Ungarn († 1382); dessen Tochter Hedwig vermählt sich 1386 mit dem bisher noch heidnischen Großfürsten Jagello von Litauen. Seitdem Polen und Litauen vereinigt unter den Jagellonen 1386–1572. Ludwigs zweite Tochter Maria, Erbin von Ungarn, mit dem deutschen König Sigismund vermählt (S. 203).

Preußen wird 1230–1283 in langem Kampfe von dem Deutschen Orden (s. S. 178f.) erobert; durch den Anschluß des in Livland vom Bischof von Riga gegründeten Schwertbrüderordens (1237) erweitert sich das Ordensgebiet über Kurland, Livland, Estland hin. Königsberg 1255 gegründet; seit 1309 die Marienburg Sitz des Hochmeisters. Blüte des Ordens unter Winrich von Kniprode (1351–1382), dann allmählicher Verfall. Verhängnisvoll für den Orden wurde die Vereinigung Litauens mit Polen 1386.

1410.

Schlacht bei Tannenberg, Sieg der Polen über den Orden. Heinrich von Plauen verteidigt die Marienburg, schließt als Hochmeister den noch günstigen ersten Frieden zu Thorn, wird aber 1413 von den Ordensrittern abgesetzt. Unzufriedenheit des Landadels und der Städte mit der Ordensherrschaft, sie treten in Verbindung mit Polen. Neuer Krieg 1454, König Kasimir II. erobert 1457 die Marienburg und behauptet sie in heftigem Kampfe 1460; der Hochmeister zieht sich nach Königsberg zurück.

1466.

Zweiter Friede zu Thorn: Westpreußen mit Ermeland an Polen abgetreten, Ostpreußen bleibt dem Orden als polnisches Lehen.

In Livland behauptet ein Teil des Ordens unter dem Landmeister Wolter von Plettenberg (1494–1535) seine Unabhängigkeit gegen Rußland.

Ungarn gegen Ende des 9. Jahrhunderts von den Magyaren (S. 158, 160) in Besitz genommen, bis 1301 unter dem Regentenhause der Arpaden. Einführung des Christentums durch Herzog Geisa und seinen Sohn Stephan den Heiligen, ersten König von Ungarn (S. 163). Einwanderung zahlreicher Deutscher, namentlich in Siebenbürgen unter König Geisa II. um 1150. Bildung einer mächtigen Aristokratie (Magnaten). Die Goldene Bulle, dem Könige Andreas II. 1222 nach seiner Rückkehr von einem Kreuzzuge (S. 177) abgenötigt, bildet die Grundlage der Privilegien des ungarischen Adels.

Nach dem Erlöschen der Arpaden regiert in Ungarn das Haus Anjou (1308–1382), Blütezeit unter Ludwig dem Großen (1342–1382, s. oben), der 1370 auch den polnischen Thron besteigt.

Unter König Sigismund, Ludwigs d. Gr. Schwiegersohn aus dem Hause Luxemburg (1387–1437), beginnender Verfall des Reiches. Albrecht von Österreich 1438–1439, dann 1440 Wladislaw III. von Polen gewählt, der bei Varna 1444 gegen die Türken fällt, darauf Albrechts unmündiger Sohn Ladislaus Postumus (vgl. S. 206). Der Reichsverweser Johann Hunyadi besiegt die Türken bei Belgrad 1456; sein Sohn Matthias Corvinus wird zum König erwählt. Nach dessen glänzender Regierung (1458–1490) wird Ungarn unter Wladislaw, dem Sohn Kasimirs IV. von Polen, mit Böhmen vereinigt und dem Erzherzog Maximilian (S. 206) die Nachfolge zugesichert.