1621–1665.
Philipp IV. die Republik der Niederlande im Westfälischen Frieden 1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit von seiten Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.
In dem aufblühenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen; der oranischen Partei steht die Generalstaaten-Partei gegenüber, den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemäßigten (Arminianer). Die Synode zu Dordrecht verurteilt 1619 den verdienten Staatsmann Olden Barneveld, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum Tode; Hugo Grotius, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich (sein Buch de iure belli ac pacis Grundlage des Völkerrechts, 1635 schwedischer Gesandter in Paris, † 1645). Die Statthalterwürde wird 1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.
Wilhelm I. von Nassau-Oranien,
†1584.
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Moritz, Friedrich Heinrich,
†1625. †1647.
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Wilhelm II., Luise Henriette, †1667.
†1650. Gem. Friedrich Wilhelm
| v. Brandenburg.
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Wilhelm III., Friedrich I.
†1702. von Preußen.
Aufschwung der niederländischen Seemacht: Ostindische Kompagnie 1602 gegründet, Neu-Amsterdam (New York, S. 270) 1612, Batavia auf Java 1619, Kapstadt 1651, Ceylon besetzt 1656, 1634–54 auch Brasilien. Tasman umfährt Australien (Neu-Holland) 1642.
Blüte der Wissenschaften auf der Universität Leyden (gegr. 1575). Der Philosoph Baruch Spinoza geb. zu Amsterdam 1632, † 1677.
Blüte der Malerei (Rembrandt † 1669, Ruysdael † 1682, Hobbema † 1709), der Dichtkunst (Vondel † 1679) und Musik (Roland de Lattre [Orlandus Lassus] † 1594 in München).
In den spanischen Niederlanden die Maler Rubens, geb. in Siegen 1577, † in Antwerpen 1640; van Dyk † 1641; Teniers der Ältere † 1649, Teniers der Jüngere † 1690; Snyders † 1657.
Auch in Spanien Blüte der Literatur (Cervantes † 1616, Lope de Vega † 1635, Calderon † 1681) und Malerei (Velasquez † 1660, Murillo † 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbfleiß, Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.
Portugal im Besitz ansehnlicher Kolonien, blühend unter Emanuel dem Großen (1495–1521). Sein Urenkel Sebastian fällt 1578 in der unglücklichen Schlacht bei Alkassar in Marokko. Philipp II. von Spanien erhebt Erbansprüche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt 1580 das Land in Besitz. Als spanische Provinz (1580–1640) verliert Portugal einen großen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln, Ceylon) an die Niederländer. 1640 Erhebung gegen die spanische Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das Haus Braganza (König Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.