Rudolf II., von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfähig zu regieren. Die Astronomen Tycho de Brahe (aus Schonen, † 1601) und Kepler (S. 227) an seinem Hofe in Prag.

Im Reiche nehmen Streitigkeiten überhand. Sonderung der Lutheraner von den Reformierten durch die Konkordienformel, 1580 zuerst in Sachsen verkündet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen. Auf den Reichstagen Streit über den geistlichen Vorbehalt (S. 234). Der Kurfürst von Köln Gebhard Truchseß von Waldburg 1583 vertrieben, weil er zum Protestantismus übertritt. In Straßburg 1592 zwiespältige Bischofswahl; der von den Protestanten gewählte Administrator muß 1604 zurücktreten. Die Reichsstadt Donauwörth, vom Kaiser in die Acht erklärt, weil das Volk eine katholische Prozession gestört hatte, wird von Maximilian von Bayern, der die Acht vollstreckt (1607), besetzt und mit Bayern vereinigt. Deshalb

1608.

Gründung der protestantischen Union; Oberhaupt der reformierte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz;

1609.

Katholische Liga, Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide Fürsten sind Wittelsbacher (S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union fern.

1609–1014.

Jülich-Clevescher Erbfolgestreit. Johann Sigismund von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg nehmen das Land als das Erbe ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschützt. Später entzweien sie sich, Wolfgang Wilhelm wird katholisch und ruft die Hilfe der Liga und Spaniens an. Johann Sigismund tritt zur reformierten Lehre über und findet Rückhalt an Holland und Heinrich IV. von Frankreich († 1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.

Vertrag zu Xanten 1614: Cleve, Mark und Ravensberg kommen an Brandenburg, Jülich und Berg an Pfalz-Neuburg. Spanische und holländische Besatzungen bleiben noch längere Zeit, erst 1666 wird der Vertrag vollständig ausgeführt.

Kaiser Rudolf, von seinem Bruder Matthias gezwungen, ihm Ungarn, Mähren und Österreich zu überlassen, gibt den Böhmen, um sie für sich zu gewinnen, den