Veranlassung: Schließung der utraquistischen Kirche in Braunau im Gebiet des dortigen Abts und Niederreißung der Kirche in Klostergrab im Sprengel des Erzbischofs von Prag, also in Gebieten geistlicher Stände, welche nach Auffassung der Protestanten kraft der böhmischen Landesverfassung als königliche Güter zu betrachten waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetzten Defensoren und der protestantischen Stände.
1618. 23. Mai.
Aufstand in Prag; an der Spitze steht Graf Matthias von Thurn. Die Statthalter Martinitz und Slawata und der Geheimschreiber Fabricius werden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg hinausgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufständischen übertragen die Regierung Böhmens an 30 Direktoren. Aus Italien kommt Graf Ernst von Mansfeld zu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus Schlesien zieht Markgraf Johann Georg von Jägerndorf herbei.
1619.
Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegen Wien. Die österreichischen, meist protestantischen Stände stellen drohende Forderungen an Ferdinand, der durch die Ankunft einiger Truppen aus der gefährlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungünstige Wendung des Krieges in Böhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich nach Frankfurt, wird dort von den drei geistlichen Kurfürsten und den Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewählt.
1619–1637.
Ferdinand II. Unterdessen sprechen die Böhmen seine Absetzung als König von Böhmen aus und wählen den jungen Friedrich V., Kurfürsten von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschen Calvinisten, Schwiegersohn Jakobs I., Königs von England.
Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mit Bethlen Gabor, Fürsten von Siebenbürgen, vereinigt (Nov. 1619). Kälte, Mangel und der Einfall eines kaiserlichen Parteigängers in Ungarn bewirken den Rückzug.
Ferdinand verbündet sich mit seinem Jugendfreunde Maximilian, Herzog von Bayern, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die österreichischen Stände unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinŏla bricht in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft. Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (Tilly) nach Böhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen Feldherrn Buquoi. Beide siegen in der
1620. 8. Nov.