Zwecke und Gründe seiner Einmischung: Schutz der unterdrückten Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg, seiner Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser verbündete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor der Begründung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.
Damalige Machtstellung Schwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland, Estland, Livland (S. 249 f.), gehörten zu Gustav Adolfs Reiche, Kurland stand unter schwedischem Einfluß. Es lag für einen ehrgeizigen Monarchen nahe, an die Erwerbung von Preußen und Pommern zu denken, welche das Baltische Meer völlig unter den beherrschenden Einfluß Schwedens gebracht hätte.
Nach der Eroberung der Inseln Usedom, Wollin und Rügen besetzt Gustav Adolf Stettin, schließt ein Bündnis mit Herzog Bogislaw XIV., vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit Frankreich (Richelieu). Er rückt an der Oder vor, wo ihm Tilly entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder zurück, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat Tilly Magdeburg zu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem Schwager Georg Wilhelm, Kurfürsten von Brandenburg, der Bedenken trägt, vom Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die Festung Spandau eingeräumt. Weitere Unterhandlungen mit Kurfürst Johann Georg von Sachsen, der neutral zu bleiben versucht. Währenddessen
1631.
(10./20. Mai.) Eroberung Magdeburgs durch Tilly. Der Sturm geleitet von Pappenheim. Furchtbares Blutbad und Plünderung durch die zügellosen Soldaten Tillys. Durch eine plötzlich an verschiedenen Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme des Domes in Asche gelegt (nicht auf Tillys Befehl).
Tilly will den Kurfürsten von Sachsen zum Anschluß an den Kaiser zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.
1631. 7. / 17.Sept.
Schlacht bei Leipzig oder Breitenfeld. Zuerst werden die Sachsen von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glänzender Sieg Gustav Adolfs.
Die Sachsen unter Arnim, dem früheren Unterfeldherrn Wallensteins, rücken in Böhmen ein und nehmen Prag. Gustav Adolf zieht durch Thüringen und Franken nach dem Rhein (über Erfurt, Würzburg, Hanau, Frankfurt). Die Pfalz erobert. Mainz besetzt, hier Winterquartiere.
Wallenstein, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschränkten Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Böhmen. Gustav Adolf zieht nach Nürnberg und siegt über Tilly bei Rain am Lech (5./15. April). Tilly, tödlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.