1659.

Pyrenäischen Frieden:[48] 1. Frankreich erhält die Grafschaft Roussillon (im NO. der Pyrenäen) und mehrere Plätze in Artois und Flandern. 2. Der Herzog von Lothringen, Spaniens Verbündeter, wird in sein Herzogtum wieder eingeführt, muß jedoch den Franzosen eine Heerstraße von Metz nach dem Elsaß zugestehen. 3. Prinz Condé kehrt zurück; Ludwig XIV. heiratet Maria Theresia, älteste Tochter Philipps IV. von Spanien, welche jedoch ihren Erbansprüchen entsagt.

1661.

Tod Mazarins. Ludwigs Selbstregierung (1661 bis 1715), ohne Reichsstände (États généraux), ohne Beachtung der Einsprüche des Pariser Parlaments, nach persönlicher Willkür (L’État c’est moi). Colbert Finanzminister, Förderung der Gewerbtätigkeit und des Handels durch das Merkantilsystem (Schutzzölle zur Abwehr ausländischer Erzeugnisse, Verbesserung der Wege, Kanalbauten). Kolonien auf den Kleinen Antillen, in Canada, Cayenne, Louisiana, Pondichery. Große Handels- und Kriegsflotte. Louvois Kriegsminister; starkes stehendes Heer. Vauban genialer Festungsbaumeister.

Um Frankreichs Ansehen vor dem übrigen Europa zur Geltung zu bringen, unternimmt Ludwig XIV. eine Reihe von Eroberungskriegen gegen die Nachbarstaaten.

1667–1668.

Raubkrieg gegen Spanien (Devolutionskrieg). Nach dem Tode Philipps IV. (1665) erhebt Ludwig XIV., gestützt auf das in einigen belgischen Provinzen geltende Devolutionsrecht, wonach die Töchter erster Ehe ein den Söhnen zweiter Ehe vorangehendes Erbrecht haben, Ansprüche auf die spanischen Niederlande. Turenne erobert einen Teil von Flandern und Hennegau, Condé besetzt die nicht verteidigte Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté). Die von dem holländischen Ratspensionär Jan de Witt zustande gebrachte Tripelallianz (England, Holland, Schweden) führt den Frieden zu Aachen herbei: Frankreich erhält eine Anzahl von Grenzstädten, darunter Lille, welches von Vauban zu einer starken Festung umgeschaffen wird, gleichwie das 1662 von England (S. 270) erworbene Dünkirchen.

1672–1678.

Raubkrieg gegen Holland. Ludwig XIV. schließt Bündnisse und Subsidienverträge mit England (S. 270), Schweden und mehreren deutschen Reichsfürsten (besonders den geistlichen Fürsten von Köln und Münster), vertreibt den Herzog Karl IV. von Lothringen 1670. Verbündeter der niederländischen Republik ist Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (s. S. 244).

Schnelle Eroberung eines großen Teiles der Niederlande (Turenne, Condé, der König an der Spitze von über 100000 Mann). Die Brüder de Witt, Führer der aristokratisch-republikanischen Partei, in einem Aufstande vom Volke getötet; Wilhelm III. von Oranien an die Spitze der Republik gestellt. Die Öffnung der Schleusen rettet die Provinz Holland und die Stadt Amsterdam.