Kurfürst Friedrich Wilhelm schließt mit Kaiser Leopold (S. 265) ein Bündnis gegen Frankreich, wird aber von dem kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli in seinen Truppenbewegungen gehemmt. Turenne, in Westfalen vordringend, nötigt ihn 1673 zu einem Frieden, den Ludwig XIV. in Vossem (unweit Löwen) bestätigt: Der Kurfürst erhält das von den Franzosen besetzte Land Cleve (S. 252) zurück mit Ausnahme der Festungen Wesel und Rees.

Auch Spanien nimmt an dem Kriege teil. 1674 erfolgt die Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Frankreich. Ludwig XIV. besetzt die Franche-Comté; Condé kämpft gegen den Prinzen von Oranien in der unentschiedenen Schlacht bei Seneffe (südlich von Brüssel), Turenne gegen den kaiserlichen General Bournonville bei Enzheim im Elsaß. Kurfürst Friedrich Wilhelm erscheint mit 20000 Mann im Elsaß, kann sich aber mit Bournonville nicht einigen über gemeinsames Vordringen; beide werden von Turenne zum Rückzug über den Rhein genötigt. Friedrich Wilhelm, durch den Einfall der mit Ludwig XIV. verbündeten Schweden in sein Land zurückgerufen, besiegt die Schweden in der

1675 (18./28. Juni).

Schlacht bei Fehrbellin (Derfflinger). In demselben Jahre (Juli) fällt Turenne bei Sasbach in Baden. Die Franzosen gehen über den Rhein zurück, dringen aber bald wieder vor. Friedrich Wilhelm erobert bis 1679 Stettin und ganz Schwedisch-Pommern nebst Rügen, treibt die Schweden auch aus Preußen bis nach Livland zurück.

1678–1679.

Friede zu Nimwegen: 1. Die Republik der Niederlande erhält ihr ganzes Gebiet zurück gegen das Versprechen der Neutralität. 2. Spanien tritt an Frankreich die Franche-Comté und abermals Grenzplätze seines niederländischen Gebiets ab (u. a. Valenciennes und Cambrai). 3. Der Kaiser tritt Freiburg an Frankreich ab, welches das Besatzungsrecht von Philippsburg (S. 260) aufgibt. 4. Lothringen wird dem Herzog Karl V. unter sehr beschränkenden Bedingungen zurückgegeben; da er diese nicht annimmt, bleibt es von den Franzosen besetzt. Den vom Kaiser und Reich preisgegebenen Kurfürsten von Brandenburg zwingt Ludwig XIV. zu dem

1679.

Frieden zu Saint Germain en Laye, in welchem dieser den Schweden fast alle seine Eroberungen in Pommern (Stettin, Stralsund, Rügen) herausgeben muß. Bald darauf Bündnis des gegen den Kaiser erbitterten Kurfürsten[49]

mit Frankreich, bis 1685.

Infolge der Schwäche des Deutschen Reiches steigt der Übermut Ludwigs XIV. so weit, daß er 1680 Reunionskammern in Metz, Breisach, Besançon, Tournay einsetzt. Diese französischen Gerichtshöfe untersuchen und entscheiden, was jemals zu den in den letzten vier Friedensschlüssen an Frankreich abgetretenen Ländern und Plätzen gehört hat. Der König vollstreckt mit seinen Truppen die Reunionsbeschlüsse, indem er zu der Gewalttat mitten im Frieden den Hohn einer Rechtsform fügt.