Peter der Große (S. 269) will Rußland zur Seemacht erheben und Schwedens Herrschaft über die Ostsee (S. 256) brechen. Er schließt unter Vermittelung des livländischen Edelmanns Patkul ein Bündnis mit August dem Starken (S. 266), welcher Livland wieder für Polen beansprucht (S. 249, 268). Friedrich IV. von Dänemark schließt sich an, um das Haus Holstein-Gottorp (jüngere Linie des dänischen Königshauses) aus dem Mitbesitz von Schleswig-Holstein zu verdrängen.

Karl XII., König von Schweden (geb. 1682, reg. 1697 bis 1718), Enkel Karls X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken (S. 250), nimmt sich des Herzogs von Holstein-Gottorp, seines Schwagers, an, landet 1700 auf Seeland, bedroht Kopenhagen und erzwingt den Frieden zu Travendal (in Holstein a. d. Trave); Dänemark gibt den Angriff auf. Dann wendet er sich gegen Peter d. Gr. und besiegt mit 8000 Schweden 40000 Russen bei Narwa (in Ingermanland). Sächsische Truppen haben inzwischen Riga belagert. Karl XII. dringt 1701 in Polen ein und verlangt Absetzung Augusts II., zieht 1702 in Warschau ein, siegt bei Klissow und 1703 bei Pultusk über sächsische und polnische Truppen.

1704.

Stanislaus Lesczinski vom polnischen Reichstag zum König gewählt.

Währenddessen legt Peter den Grund zu der neuen Hauptstadt St. Petersburg 1703 und erobert Narwa 1704.

Fortgang des Krieges in Polen und Litauen, Siege Karls XII. bei Punitz 1704 und seines Generals Rehnskjöld bei Fraustadt 1706. Karl dringt durch Schlesien in Sachsen ein und erzwingt den

1706.

Frieden zu Altranstädt (bei Leipzig): 1. August II. entsagt der polnischen Krone und erkennt Stanislaus Lesczinski als König von Polen an. 2. Er gibt das Bündnis mit dem Zaren auf und liefert dessen Bevollmächtigten Patkul aus (welchen Karl grausam hinrichten läßt). 3. Sachsen sorgt den Winter über für Unterhalt und Sold des schwedischen Heeres.

Karl bricht dann gegen den russischen Zaren auf (Sept. 1707), der die Zeit zur Festsetzung an der Ostsee und zur Bildung eines kriegstüchtigen Heeres trefflich benutzt hatte. Der Weg nach Moskau versperrt durch Verwüstung des Landes. Durch den von Rußland abgefallenen Kosakenhetman Mazeppa läßt sich Karl verleiten, über den Dnjepr (1708) nach der Ukraine zu gehen. Vergebliche Belagerung Pultawas; Peter eilt zum Entsatz herbei und schlägt mit überlegener Streitmacht die durch Märsche und Mangel ermatteten Schweden in der

1709 (8. Juli).