Das Deutsche Reich vermag in den europäischen Kriegen das Eindringen fremder Truppen nicht abzuwehren, ist aber selbst nicht Gegenstand des Angriffs. Die letzten habsburgischen Kaiser (S. 272) sind nur auf ihre Hausmacht bedacht; Ausbildung der österreichischen Monarchie.
1711–1740.
Kaiser Karl VI. erwirbt 1714 die spanischen Nebenländer (S. 274). Im Bunde mit Venedig 1715–1718 glücklicher Türkenkrieg. Prinz Eugen siegt 1716 bei Peterwardein, 1717 bei Belgrad. Der Besitz dieser Stadt und eines Teils von Serbien samt der Kleinen Walachei und dem Banat von Temesvar im Frieden zu Passarowitz 1718 bestätigt. Venedig behält Korfu und die eroberten Plätze in Dalmatien und Albanien, verliert Morea (S. 304).
1720.
Ein Versuch Philipps V. von Spanien, die verlorenen Nebenländer (S. 274) wiederzugewinnen, wird durch die 1718 geschlossene Quadrupelallianz (England, Frankreich, Österreich, Holland) vereitelt. Der Herzog von Savoyen muß Sicilien (S. 274) an Österreich überlassen, erhält dafür Sardinien und nimmt den Titel König von Sardinien an.
Kaiser Karl VI., ohne männliche Nachkommen, setzt eine Erbfolgeordnung fest unter dem Titel Pragmatische Sanktion, welche 1. die Unteilbarkeit der zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder anordnet, 2. dieselben in Ermangelung männlicher Nachkommen auf Karls Töchter (die älteste Maria Theresia) und deren Nachkommen nach dem Erstgeburtsrecht vererbt, 3. im Fall des Aussterbens dieser Linie die Töchter Josephs I. (vermählt mit Friedrich August II. von Sachsen (in Polen August III.) und Kurfürst Karl Albert von Bayern, S. 282) und deren Nachkommen zu Erben einsetzt.
1725.
Bündnis zwischen Österreich und Spanien zum Schutz der Pragmatischen Sanktion; Gegenbündnis (zu Herrenhausen bei Hannover) zwischen England, Frankreich und Preußen. Doch tritt Preußen bald wieder auf die Seite Karls VI., der 1728 in dem Berliner Vertrag verspricht, nach dem Aussterben des Pfalz-Neuburger Hauses Preußen zum Besitz des Herzogtums Berg (S. 252) zu verhelfen. (In einem geheimen Vertrage versprach Karl VI. 1739 die Erbnachfolge in Jülich und Berg der Linie Pfalz-Sulzbach, aus der auch Karl Theodor 1743 das Erbe antrat.) Auch England erkennt 1731 die Pragmatische Sanktion an.
1733–1735.
Polnischer Thronfolgekrieg.