Von Frankreich geleitet, wählt nach dem Tode Augusts II. von Sachsen 1733 die Mehrheit des polnischen Adels den König Stanislaus Lesczinski, welcher Schwiegervater Ludwigs XV. geworden war, zum zweiten Male (S. 277). Rußland und Österreich lassen von einer Minderheit den Kurfürsten von Sachsen (Augusts II. Sohn) als August III. wählen und halten die Wahl in Polen mit ihren Truppen aufrecht. Dagegen treten Frankreich, Spanien und Sardinien für Stanislaus mit den Waffen ein.
Hauptschauplatz des Krieges Italien, wo Mailand, Neapel und Sicilien erobert werden, die Österreicher also alles bis auf Mantua verlieren. Am Oberrhein kämpft der alte Prinz Eugen († 1736) ohne Glück, nur Herzog Franz Stephan von Lothringen, der spätere Gemahl Maria Theresias, hält die Ehre der kaiserlichen Waffen aufrecht. Lothringen von den Franzosen besetzt. Friedenspräliminarien 1735 und nach weiteren Unterhandlungen
1738.
Friede zu Wien: 1. Stanislaus Lesczinski verzichtet zum zweiten Mal auf den polnischen Thron, erhält als Entschädigung die Herzogtümer Lothringen und Bar, welche nach seinem Tode Frankreich zufallen (Stanislaus † 1766). 2. Der Herzog von Lothringen Franz Stephan, Gemahl der Maria Theresia, wird durch das Großherzogtum Toskana entschädigt, wo 1737 das Haus Medici (S. 240) ausgestorben war. 3. Österreich überläßt Neapel und Sicilien als eine Sekundogenitur (so daß dieses Königreich nicht mit der Krone Spanien vereinigt werden darf) an die spanische Linie des Hauses Bourbon; es erhält dafür Parma und Piacenza (nach dem Aussterben der Farnese (S. 239) 1731 durch Erbschaft an Spanien gekommen). 4. Frankreich garantiert die Pragmatische Sanktion.
1736–1739.
Unglücklicher Türkenkrieg Österreichs (im Bunde mit Rußland, s. S. 295); Friede zu Belgrad: Orsowa, Belgrad, Serbien und die Kleine Walachei den Türken zurückgegeben (S. 278). Temesvar bleibt bei Österreich.
1713–1740.
Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, Sohn Friedrichs I. (S. 267) erschließt durch gute Verwaltung und soldatische Zucht die natürlichen Hilfsquellen des Landes und hebt dessen Ertragsfähigkeit (s. Anhang). Bei nur 2½ Mill. Einwohnern hinterläßt er ein vorzügliches Heer von 83000 Mann (Fürst Leopold von Anhalt-Dessau) und einen Staatsschatz von 10 Mill. Talern. Seine Regierung bereitet die künftige Größe Preußens vor.
1740–1786.
Friedrich II., der Große,[50]