Hippĭas. Dieser herrscht gemäßigt im Sinne des Vaters, bis sein Bruder Hipparchos von Harmodios und Aristogeiton aus Privatrache am Panathenäenfest ermordet wird (514). Hippias übt grausame Vergeltung, wird von dem ausgewanderten Adel (Kleisthĕnes an der Spitze der Alkmäoniden) in Verbindung mit einem spartanischen Heere unter Kleomĕnes vertrieben (510). Er begibt sich nach Sigeion und sucht später Hilfe beim Perserkönige Dareios.
509.
Gesetzgebung des Kleisthĕnes (Sohn des Megăkles, Enkel des Kleisthĕnes von Sikyon); die solonische Verfassung wird in demokratischem Sinne weiter gebildet. Die 4 Vermögensklassen bleiben bestehen, an Stelle der 4 alten Phylen (S. 26) treten zehn Phylen (Bezirke), deren Unterabteilungen die Demen (Ortsgemeinden) sind. Dadurch soll der Einfluß des Adels gebrochen und das Wiederaufleben der früheren Parteien verhindert werden. Jede Phyle wählt jährlich 50 Mitglieder in den Rat, dessen Zahl also von 400 auf 500 erhöht wird. Die 10 Abteilungen des Rats wechseln in der Geschäftsleitung ab, so daß das Amtsjahr nach dem Wechsel der 50 Ratsvorsteher (Prytanen) in 10 Prytanieen zerfällt. Die Besetzung der meisten Ämter wird fortan durch das Los entschieden, nach Vorwahl durch die Phylen; durch Abstimmung erwählt wurden die Archonten und die 10 Feldherrn. Für alle Ämter war eine Prüfung in bezug auf das bürgerliche Verhalten vor dem Amtsantritt und Rechenschaft nach Ablauf des Amtsjahres vorgeschrieben. Die Volksversammlung hat nach wie vor die Entscheidung über Gesetze, Bündnisse, Krieg und Frieden.
508.
Die Eupatriden unter Führung des Archon Isagŏras rufen abermals die Spartaner zu Hilfe, um die Durchführung dieser Staatsordnung zu hindern. Kleisthĕnes flüchtet, die Akropolis wird den Spartanern überliefert. Aber ein Aufstand des athenischen Volks zwingt den König Kleomĕnes zum Abzug. Die adligen Parteiführer werden hingerichtet; Kleisthĕnes zurückberufen.
507.
Ein Feldzug der Spartaner gegen Athen unter den Königen Kleomĕnes und Demarātos scheitert infolge des plötzlichen Abzugs der Korinther und der Uneinigkeit der spartanischen Könige. Die mit Sparta verbündeten Böoter und Chalkidier von Euböa werden von den Athenern geschlagen. Diese erobern einen Teil von Euböa, wo 4000 Bauerngüter an ärmere attische Bürger (Kleruchen) verteilt werden. So gewinnt Athen nach Befestigung seiner inneren Verfassung auch Ansehen nach außen.
Damit nicht eine Tyrannis wiederkehre, ordnet Kleisthĕnes den Ostrakismos an: die Volksversammlung ist befugt, mittels geheimer Abstimmung durch Tonscherben (Ostrăka) die Verbannung eines die Freiheit gefährdenden Bürgers zu beschließen; doch müssen 6000 Stimmen abgegeben sein.
Auch in den westgriechischen Städten herrschen zeitweise Tyrannen: Phalăris in Akrăgas (Agrigentum) um 570, Anaxĭlas in Rhegion 494. Zu besonderem Ansehen gelangt Syrakus unter der Herrschaft Gelons (seit 485), der mit Theron von Akragas befreundet ist. Die unteritalischen Städte behaupten sich gegen Angriffe der einheimischen Völkerschaften; die Bürger von Kroton zerstören 510 die reiche Nachbarstadt Sybaris.
Entwickelung der Kultur. Baukunst und bildende Kunst besonders zur Ausschmückung der Tempel geübt (dorische, später ionische Säulen, Weihgeschenke aus Erz, Marmor, Gold und Elfenbein). Erhalten sind namentlich der Tempel von Pästum am Tyrrhenischen Meer und die Skulpturen des Athenetempels zu Ägina (aus der Zeit um 510, jetzt in München).