1848. 22.–24. Febr.
Pariser Februarrevolution. Straßenkampf gegen die Truppen; Barrikaden erbaut. Die Nationalgarde bleibt untätig, die Truppen geben den Kampf bald auf. Ludwig Philipp flieht nach England († 1850). Seine Thronentsagung zu Gunsten seines Enkels, des Grafen von Paris (S. 349), wird nicht beachtet, sondern die Republik proklamiert. Die Deputiertenkammer wählt eine provisorische Regierung. Lamartine als Mitglied derselben hindert Verwüstung und Plünderung. Eine Nationalversammlung wird nach Paris berufen, um die Verfassung der Republik festzustellen. Die Forderungen der Sozialisten (Louis Blanc) führen zur Einrichtung von Nationalwerkstätten in Paris, in denen jedem französischen Bürger vom Staate Arbeit und Lohn geboten werden soll. Diese erweisen sich jedoch bald als kostspielig und zwecklos.
1848. 23.–26. Juni.
Blutiger Straßenkampf in Paris nach Schließung der Nationalwerkstätten. General Cavaignac erhält durch Beschluß der Nationalversammlung diktatorische Gewalt und wirft den Aufstand der Arbeiter nieder (gegen 10000 getötet, viele deportiert).
10. Dez.
Prinz Louis Napoleon (S. 353) wird infolge der Furcht aller Besitzenden vor dem Sozialismus und unter dem Einfluß der Geistlichkeit durch Volksabstimmung (Plebiscit) mit fast 6 Millionen Stimmen zum Präsidenten der französischen Republik erwählt. Seine Regierung findet Beifall, doch weigert sich die Nationalversammlung, die Verfassung abzuändern, welche die Wiederwahl desselben Präsidenten erst nach 4 Jahren gestattet.
1851. 2. Dez.
Staatsstreich Louis Napoleons. Er läßt die angesehensten Mitglieder der Nationalversammlung verhaften, erklärt diese für aufgelöst, fordert wiederum Volksabstimmung, läßt Aufstandsversuche in Paris am 3. und 4. Dez. blutig niederwerfen. Er wird mit mehr als 7 Mill. Stimmen zum Präsidenten auf 10 Jahre erwählt. Am 14. Jan. 1852 verkündet er eine neue, der des ersten Kaiserreiches ähnliche Verfassung (Senat, gesetzgebender Körper, s. S. 318). Feierliche Friedensversicherungen gegenüber den europäischen Staaten, besonders durch eine Rede in Bordeaux (»L’Empire c’est la paix«). Auf Grund eines Senatsbeschlusses und einer dritten Volksabstimmung besteigt er als
1852. 2. Dez.
Napoleon III., Kaiser der Franzosen (1852–1870) den Thron und wird bald von allen Mächten anerkannt.