Ausgleich durch Beschluß einer Konferenz der Großmächte zu London (Italien als sechste Großmacht anerkannt): 1. Die Neutralität des Großherzogtums wird von den Großmächten gemeinsam gewährleistet; 2. Die preußische Besatzung räumt die Stadt Luxemburg, deren Festungswerke geschleift werden.

Ende des Kirchenstaates. Italienische Freischaren machen mit stillschweigender Gutheißung ihrer Regierung 1867 (Sept.) einen Angriff auf das päpstliche Gebiet. Napoleon III. erklärt den früheren Vertrag (S. 370) für gebrochen und schickt dem Papste Hilfe. Die Freischaren werden bei Mentana geschlagen; ihr Führer Garibaldi wird nach kurzer Haft wiederum nach Caprera entlassen. Rom erhält von neuem eine französische Besatzung (S. 363, 370).

1869. 8. Dez.

Eröffnung des Vatikanischen Konzils in Rom, durch welches das Ansehen des Papsttums nach der Einschränkung seiner weltlichen Herrschaft gesichert und erhöht werden soll. Verkündung des Unfehlbarkeits-Dogmas am 18. Juli 1870. Am 20. Sept. 1870 wird Rom von den italienischen Truppen besetzt, da die französische Besatzung zurückgezogen ist (s. S. 385). Aufhebung des Kirchenstaates. Rom wird Hauptstadt des geeinigten Italiens.

§ 8. Deutsch-französischer Krieg 1870–1871.

Ursache: Die Meinung der Franzosen, daß ihrer Nation auf dem europäischen Festlande eine herrschende Machtstellung zukomme. Letztere hatte die Schwäche der Nachbarstaaten, vor allem Deutschlands zur Voraussetzung. Die Begründung des italienischen Einheitsstaates und die Entstehung eines mächtigen deutschen Bundesreiches erschien den Franzosen wie eine Schmälerung ihres Ruhmes.

Veranlassungen: 1. Die inneren Verlegenheiten der Regierung Napoleons III., welcher, für seinen Thron fürchtend, dem gesetzgebenden Körper (S. 355) erweiterte Rechte zögernd zugesteht; 2. Die Ablehnung der seit 1866 wiederholt verlangten Ausgleichungen für die Vergrößerung Preußens an Land und Macht (S. 379, 380). Der von Napoleon durch Benedetti 1867 schriftlich in Berlin eingereichte Vertragsentwurf, nach welchem Napoleon Luxemburg und Belgien besetzen und dafür Preußen die Aufnahme der süddeutschen Staaten in den Norddeutschen Bund gestatten wollte, war von Bismarck »dilatorisch« behandelt worden.

Vorwand: Die Übertragung der spanischen Krone an den Prinzen von Hohenzollern (s. u. § 16), die in Paris als eine preußische, Frankreich gefährdende Intrige dargestellt wird.

Das durch den französischen Botschafter Benedetti in Ems (9. Juli) an König Wilhelm I. gestellte Verlangen, »dem Prinzen von Hohenzollern die Annahme der spanischen Krone zu verbieten«, wird zurückgewiesen. Nach dem freiwilligen Rücktritt des Prinzen verlangt die französische Regierung eine Erklärung des Königs, »daß er die Bewerbung des Prinzen um die spanische Krone in Zukunft niemals wieder zulassen werde«. König Wilhelm weist den französischen Botschafter ab (13. Juli); Graf Bismarck läßt die Nachricht davon gebende »Emser Depesche« in verkürzter Form alsbald durch die Zeitungen verbreiten. Darauf Kriegserklärung Frankreichs (19. Juli). Die süddeutschen Staaten schließen sich unverzüglich auf Grund der bestehenden Bündnisse (S. 379) der Kriegsrüstung des Norddeutschen Bundes an.

A. Krieg gegen die kaiserliche Armee.