444–429
Nachdem Thukydĭdes (Sohn des Melesias, nicht der gleichnamige Geschichtschreiber), eine Zeitlang Führer der kimonischen Partei, durch den Ostrakismos verbannt ist, beginnt die Blütezeit Athens unter der Verwaltung des Perikles, welcher, obwohl niemals Archon, den Staat durch seinen Einfluß als Redner in der Volksversammlung und in amtlicher Eigenschaft als Strateg, als Finanzvorsteher und Vorsteher der öffentlichen Bauten leitet.
Unbestrittene Herrschaft Athens im Gebiet seines Seebundes; nur Samos versucht 441 einen Aufstand. Verstärkung der Kolonie auf der thrakischen Chersones (S. 36, 43), Flottenfahrt des Perikles nach dem Schwarzen Meere zur Unterstützung der dortigen Griechenstädte Sinōpe, Amīsos, Pantikapaion (letztere wichtig für den Getreidehandel nach Athen). Neue Kolonien Thurii in Unter-Italien, an der Stelle des zerstörten Sybăris (443), und Amphipŏlis am Strymon (437). — Vollendung der Befestigung Athens durch eine dritte lange Mauer (parallel mit der nach dem Peiraieus führenden, s. S. 43). Neubau der Hafenstadt Peiraieus, Tempel zu Eleusis, in Athen das Odeion neben dem vergrößerten Dionysostheater am Südabhang der Akropolis, in der Nähe das noch gut erhaltene Theseion.
Prachtbauten auf der Akropolis: Der Parthĕnon, von Iktīnos und Kallikrătes erbaut, von dem Bildhauer Pheidĭas mit dem Standbild der Göttin Athene aus Gold und Elfenbein, an den Außenseiten mit Marmorskulpturen geschmückt;[15] die Karyatidenhalle des Erechtheion; die Propyläen, als Eingangstor von Mnesĭkles erbaut; daneben die Pinakŏthek mit Wandgemälden von Polygnōtos. Tempel der Athena Nike. Auf dem freien Platz vor den beiden Tempeln das große eherne Standbild der Athene Promăchos von Pheidias, welcher auch nach Olympia berufen wurde, um dort das Standbild des Zeus aus Gold und Elfenbein aufzurichten.
Athen jetzt der Brennpunkt des wirtschaftlichen Lebens in Hellas. Handel nach allen Plätzen des Mittelmeeres. Großindustrie durch Sklaven betrieben. Bedeutende Ausfuhr von Erzeugnissen des Gewerbefleißes, Einfuhr von Getreide, Schiffsbauholz und Rohstoffen aller Art.
Blüte der dramatischen Dichtung: Die drei Tragiker Aischy̆los (526–455, die Perser 472, die Oresteia 458, eine Trilogie), Sŏphŏkles (496–405, Antigone 441, Ödipus auf Kolōnos), Euripĭdes (480–406, Medeia 431. Iphigeneia in Tauris 412). Etwas später entfaltet sich die Komödie; besonders bedeutend sind die politischen Komödien des Aristophănes in der Zeit des Peloponnesischen Krieges (die Ritter 424, die Wolken 423, der Friede 421, die Vögel 414). Dramatische Aufführungen fanden statt an den Diony̆sosfesten (kleine Dionysien oder Lenäen, große Dionysien); die Ausstattung des Chores war eine den reicheren Bürgern obliegende Liturgie (vgl. S. 39).
Geschichtschreibung: Herodot von Halikarnaß (484–424?), Teilnehmer an der Koloniegründung in Thurii; Thukydĭdes von Athen (470–400?).
Philosophie: Anaxagŏras von Klazomĕnä, Lehrer des Perikles (Empedŏkles in Akragas. Demokritos in Abdēra, um 450). Protagŏras von Abdera, neben Gorgias von Leontini und Prodikos von Keos der berühmteste unter den Sophisten, welche als Lehrer der Weisheit und der Redekunst auftraten. Sokrătes von Athen (469–399), Gegner der Sophisten. Ihrer subjektiven Richtung (der Mensch ist das Maß der Dinge) stellt er das Streben nach objektivem, begriffsmäßigem Wissen entgegen.
§ 4. Peloponnesischer Krieg. (431–404 v. Chr.)
Nach kurzer Friedenszeit erneuert sich die Feindschaft der auf Athens politisches und wirtschaftliches Übergewicht eifersüchtigen aristokratischen Peloponnesier gegen die attische Demokratie; es beginnt ein fast dreißigjähriger, für Griechenland verderblicher Krieg.