Mackay sah voraus, daß dieser Einzug das Wiederaufleben des Heidentums und der gänzliche Rückfall des Hofes in heidnische Zauberei bedeute. Mit der Kühnheit eines alttestamentlichen Propheten trat er dem drohenden Unheil entgegen, um es womöglich noch abzuwenden. Eines Sonntags, als der launische Herrscher sich in guter Stimmung befand, faßte Mackay sich ein Herz, den König zu warnen. Nachdem in öffentlicher Versammlung mehrere Regierungsangelegenheiten erledigt waren, setzte sich Mackay vor Mtesa und bat um die Erlaubnis, eine Frage stellen zu dürfen.
Mtesa antwortete: »Sprich!« Mackay fragte: »Was ist ein Lubare?« Die Frage überraschte alle Umstehenden. Aber der König nahm sie gut auf und versuchte zu erklären, daß ein Lubare der große Geist sei, der sich in einem lebenden Menschen aufhalte. Darauf erwiderte Mackay, es gäbe doch in Uganda viele solche Geister, sie seien aber Lügner, und der Rädelsführer sei der Lubare Mukasa. Er wisse auch, daß der König selbst kein Vertrauen zu diesen Zauberern habe, einige Häuptlinge hätten ihm aber geraten, Mukasa kommen zu lassen. »Hier sitze ich nun vor dir als dein Diener und der Diener des allein wahren und allmächtigen Gottes, und in Seinem Namen bitte ich dich: Habe nichts zu schaffen mit dem Lubare, wer dir auch dazu raten mag!« Der König nickte beifällig und übersetzte die suahelisch gesprochenen Worte Mackays dem ganzen Hofe. Mackay fuhr fort, auf den König einzudringen und erklärte ihm, wenn Mukasa ein Gott sei, müsse es zwei Götter in Uganda geben, den allmächtigen Gott und den Gott Mukasa. Wäre Mukasa aber nur ein Mensch, dann gäbe es zwei Könige in Uganda, denn Mukasa gebe sich für einen König aus, verachte Mtesas Befehle und triebe offene Empörung im Lande. Der König kenne doch den lebendigen Gott und solle sich nun freimachen von den Zauberern und keinen Feind der Wahrheit verehren. Die Geschichte bezeuge, daß Gott mit den Königen war, die Ihn allein fürchteten, und daß alle, die sich von Ihm abwandten, ein böses Ende nahmen. Gott habe gesagt: »Wer Mich ehrt, den will Ich wieder ehren; wer Mich aber verachtet, den will Ich wieder verachten.«
Der König war bewegt, wünschte aber jetzt das Thema fallen zu lassen. Er wolle an Mackays Worte denken. So endete die erste Unterredung über die große Frage, die jetzt in aller Munde war. In den folgenden Tagen besuchte Mackay alle einflußreichen Häuptlinge, um sie gegen den Lubare zu stimmen und für die Wahrheit zu gewinnen. Einige lieferten ihm ihre Fetische aus und nahmen ein Evangelienbuch in Suaheli an. Andere machten leere Versprechungen. Alle aber schienen sich ihres Glaubens an den Götzendienst zu schämen, was Mackay mit neuer Hoffnung erfüllte.
Bald darauf hörte er aber mit Entsetzen, daß Häuptlinge auf Befehl des Königs in aller Eile einige Häuser im Hofe für den Mukasa erbaut hätten. Das Herz tat ihm bei dieser Botschaft weh. Zehn Tage lang hatte er ernstlich mit jedem Häuptling gegen die Torheit des Aberglaubens geredet, am letzten Sonntag noch im Gottesdienst am Hofe aus der Bibel das Verdammungswürdige der Zauberei bewiesen – und jetzt war für den königlichen Empfang des Erzzauberers Mukasa alles vorbereitet!
So schnell ihn seine Füße trugen, lief er noch einmal zu einigen Großen. Überall fand er schon Fetische an den Hütten und Amulette an den Körpern. Die Häuptlinge suchten sich nun herauszulügen und behaupteten, nichts von der Sache zu wissen. Mit dem Katikiro, dem heuchlerischen Reichskanzler, konnte er nicht sprechen. Er befand sich wie gewöhnlich in seinem Harem. In einem seiner Höfe sah Mackay viele Zaubergegenstände an einem Baum hängen.
Noch einmal bot sich dem unermüdlichen Kämpfer Gelegenheit, vor versammeltem Hofe gegen den Götzendienst zu Felde zu ziehen. Der König hielt ein Baraza. Auf dem Wege zum Hofe lachten die Leute schon verächtlich hinter Mackay her. Im Vertrauen auf Gott wagte er es dennoch, sich vor den König zu setzen, natürlich auf den Boden. In bescheidener, aber entschiedener Weise legte er nun Mtesa dar, daß niemand zwei Herren dienen könne und daß die Missionare aufhören müßten, am Hofe zu lehren, wenn Mukasa einziehe, der doch nur käme, um Zauberei zu treiben und den wahren Gott zu beleidigen. Wenn er den König heilen könne, hätte er es schon längst tun müssen. Er, Mackay, wolle dem König ja nicht vorschreiben, welche Gäste er empfangen solle. Mukasa aber sei kein gewöhnlicher Gast, sondern ein Betrüger, der das Volk verführe und verderbe. Unerschütterlich berief sich Mackay auf Gottes Wort, das alle Hexengläubigen als Gottes Feinde betrachtet. Mtesa erwiderte, er wisse nicht mehr, was er tun solle. Seine Mutter und ihr Anhang seien für den Lubare und wünschten dessen Besuch. Mackay entgegnete, Achtung vor den Eltern sei tugendhaft, Gott aber sei noch mehr zu achten. Weiter hatte er ihm nichts mehr zu sagen. Es war ihm klar, daß der König auf ihn hörte, daß aber die alten Häuptlinge und die Königinmutter gegen ihn waren.
In einer weiteren Beratung mit dem Hofe riet man dem König, sich nicht mehr auf die Religion des weißen Mannes einzulassen, da dies nur der Anfang zur Eroberung des Landes sei. Es solle bei Todesstrafe verboten sein, etwas von den Weißen zu lernen.
Dann berief Mtesa in dieser Sache die Missionare noch einmal an den Hof. Mackay sollte der Königinmutter und ihrem Hofe klarmachen, weshalb er verbiete, den Mukasa zu empfangen. Mackay erkannte, daß ihm hier eine Schlinge gelegt war und erwiderte, er habe nichts zu verbieten, sondern als Diener Gottes nur zu mahnen und zu warnen.
Dann redeten einige Häuptlinge, besonders der Katikiro, heftig auf den König ein. Dieser ließ sich wirklich einschüchtern und erklärte schließlich unter lautem Beifall des Hofes, sie wollten nunmehr die Religion der Araber und der Christen verlassen und zu ihrer alten Religion zurückkehren.
Von nun an wurde Mackay mit heidnischer Unverschämtheit behandelt. Gefragt, warum er und die anderen Missionare überhaupt gekommen seien, erwiderte er, daß der König es doch selbst gewünscht habe. Mtesa aber warf dazwischen, er habe damit nicht gemeint, daß die Weißen ihnen die Lehre von Gott bringen, sondern ihnen zeigen sollten, wie man Flinten und Pulver macht. Die Missionare dürften hinfort nicht mehr lehren, sondern nur noch für ihn arbeiten. Hierauf zeigte ihm Mackay seine Hände, die schwielig und schwarz waren von der Arbeit für den König und seine Häuptlinge, und sagte, er habe sich nie der Arbeit geweigert und werde es nie tun, solange er lehren dürfe; wenn er nichts mehr über die Lehre von Gott sagen könne, müsse er das Land verlassen. Dann bat er dringend um Erlaubnis, doch das niedere Volk (Bakopi) lehren zu dürfen, wenn der Hof nichts mehr davon wissen wolle. Die Bitte wurde aber verneint. In der Belehrung und Bekehrung der Bakopi sahen die Herren Häuptlinge erst recht eine Gefahr für ihren Einfluß und einen Angriff auf ihre Machtstellung.