Die alten Götter hielten also wieder ihren Einzug in die Hauptstadt Ugandas. Furchtbarer Trommellärm, der näher und näher kam, kündete Mackay eines frühen Morgens an, daß der Lubare sich auf dem Wege nach dem Hof befinde. Mackay dankte Gott, daß der Zug mit dem gellenden Geschrei vieler Hunderte von Weibern nicht an seiner Stätte vorbeikam. Wer weiß, was das fanatisierte Volk angefangen hätte! Noch an demselben Tage wurde der Lubare vom König empfangen. Von den Häuptlingen und den Zauberern wurde das Bier in Strömen vertilgt, während Mtesa kaum am Becher genippt haben und merklich still gewesen sein soll. Die geringen Zauberer spielten und tanzten, der Lubare sang und prophezeite Krieg mit den Fremdlingen; das war alles, was er konnte.

Mackay wußte, daß die alten Götter das Herz des Volkes nicht mehr lange befriedigen würden und keine Macht den Sieg des Kreuzes hindern könne. »Wir wollen uns ruhig verhalten, wenn Gott uns das Leben läßt, bis der Sturm vorüber ist.« Das kühne Auftreten Mackays hatte doch den Lubaridienst stark erschüttert. Der König schämte sich augenscheinlich desselben, und da seine Krankheit nicht hinweggezaubert wurde, erklärte er das Ganze für Schwindel, mit dem er nichts zu tun haben wolle. Das kühlte auch den Eifer der Häuptlinge ab und machte das Lehrverbot illusorisch. Mackay und seine Brüder unterrichteten vorläufig ungestört weiter.

Die Nichtigkeit des Götzendienstes suchte Mackay auch sonst immer handgreiflich zu beweisen. Gelegentlich einer Reise über den Niansa sah er, daß der Kapitän der kleinen Kanuflotte dem Lubare jeden Morgen ein Bananenopfer ins Wasser warf. Mackay kaufte von den Ruderern einen großen Fetisch (Schutzzauber) und hielt ihnen ernstlich die Ohnmacht der Götzen und die Macht und Liebe Gottes vor. Dann fragte er sie, was in dem Fetisch wäre. »Der Lubare,« antworteten viele.

»Wird er im Feuer verbrennen?«

»O nein, der Lubare brennt nicht.«

»Gut, wir werden ja sehen!« Am Strande angekommen, machte er ein Feuer und warf den Zauber hinein. In wenigen Augenblicken war er in Asche verwandelt. Entsetzt lief die Hälfte der Umstehenden davon; die anderen starrten ihn an und erwarteten, daß augenblicklich ein Strafgericht über den weißen Mann hereinbrechen würde.

»Nun ist der Teufel tot,« triumphierte Mackay, »und ihr seht alle, daß keine rettende Kraft in den Fetischen ist und daß Gott allein uns helfen kann.«

Durch solches Verfahren wurde wohl der Glaube an die Götzen erschüttert, aber nicht ausgerottet.

»Das erfordert mehr,« schreibt Mackay. »Die alte fleischliche Natur des Menschen mit all ihrer Feindschaft gegen Gott und das Gute bleibt zurück. Diese umzuwandeln liegt nicht in des Menschen Macht; aber die Mittel sind dazu da. Wir kommen mit dem Buche der Offenbarung der ewigen Liebe Gottes in der Hand und suchen die heiligen Lehren den Herzen nahezubringen. Heute hören sie uns zu, morgen sagen sie: ›Wir brauchen eure Lehren nicht. Lehrt uns Pulver und Gewehre anfertigen, so wollen wir euch Land und Sklaven geben.‹ Heute sind wir Freunde, morgen fragen sie die Zauberer, und uns verdammt man als die Ursache alles Übels. Sogar unsere Religion wird von vielen als eine Art Zauberei angesehen, und die Bibel nennen sie einen Fetisch oder jembe, d. h. Götzen. So fluten die Wogen auf und nieder. Aber immer noch leuchtet hell der Morgenstern, das Zeichen des Evangeliums des Friedens. Je heftiger eine Zeitlang die Gegenwehr ist, desto schneller wird sie ihre Kraft verbrauchen, und dann triumphiert die Wahrheit. Unsere Feinde sind zahlreich, und außer denen, die wir hier vorfanden, die Araber, sind noch die Katholiken in unser Feld eingedrungen und machen uns jeden Zoll streitig.«

Elftes Kapitel.
Zwischengefechte mit Arabern und Katholiken.