In seinen Reisebriefen hören wir Mackay oft über die arabischen Sklavenhändler klagen. Mit flammenden Worten haben vor ihm Livingstone und Stanley schon die zivilisierte Welt auf das schreckliche Treiben der mohammedanischen Menschenhändler aufmerksam gemacht. Mackay nennt sie die »getünchten Gräber«, welche alle Gebetsvorschriften ihres falschen Glaubens genau erfüllen und sich durch den Sklavenhandel täglich der grauenhaftesten Schandtaten schuldig machen. Ihre Sklaven schickten sie auf Plünderung aus, um Weiber und Kinder als Beute zurückzubringen. Ihre Pfade seien Wege der Hölle.

Als Mackay nach Uganda an den Hof kam, waren die Halbblutaraber schon lange als Händler im Lande seßhaft. Für ihre Waren tauschten sie aber nur Sklaven ein. Einige hatten beständig am Hofe Zutritt. Mtesa galt eine Zeitlang auch als Anhänger Mohammeds. Er war es aber in Wirklichkeit ebensowenig, als er später ein überzeugter Christ war. Eines Tages bot ein arabischer Händler am Hofe Flinten und Zeug an, wofür er »nur« Sklaven haben wollte: für ein Stück rotes Zeug einen, für eine Muskete zwei männliche Sklaven, für hundert Zündhütchen eine Sklavin. Mackay trat sofort gegen ihn auf und wies den König auf die Dekrete des Sultans von Sansibar gegen den Menschenhandel und auf die Greuel hin, welche mit diesem Handel verbunden sind. Dann gab er eine Lektion über Physiologie und fragte, warum solch ein Organismus wie der menschliche Leib, den keines Menschen Hand zu bilden vermöge, für ein Stück Zeug, das jeder an einem Tage herstellen könne, verkauft werden solle. Das Ergebnis war nicht nur die Ablehnung des Angebots des Arabers, sondern auch eine königliche Verordnung, nach welcher bei Todesstrafe in Uganda niemand einen Sklaven verkaufen dürfe.

Dies Gebot war praktisch damals gar nicht durchführbar, wie Mtesa später selbst zugab, da der Sklavenhandel fast der einzige Handel Afrikas war. In Uganda selbst wurden jährlich etwa zweitausend Sklaven von den Arabern gekauft und zur Küste gebracht. Die Araber wurden jetzt zu heftigen Gegnern der Mission, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie den Markt in Uganda nicht mit den Weißen teilen und im Sklavenhandel ungestört bleiben wollten. Mackay sollte bald erfahren, daß er in ihnen am Hofe grimmige und listige Gegner hatte. Mehr als einmal brachten sie durch Verdächtigungen aller Art sein Werk und Leben in die größte Gefahr.

Einmal hinterbrachten sie dem König eine schreckliche Lüge über das Vorleben Mackays. Er sei ein landflüchtiger Verbrecher, habe zweier Morde wegen sein Vaterland verlassen müssen und dann das Schiff, auf dem er floh, in die größte Gefahr gebracht; der Kapitän hätte ihn in Sansibar ans Land gesetzt. Aber auch auf dieser Insel wäre seines Bleibens nicht gewesen. Nachdem er wieder einen Doppelmord auf dem Gewissen gehabt, sei er nach Uganda gekommen. Einem Sklaven, der das alles wisse, hätte er hohes Schweigegeld geboten. Ein andermal erzählten sie am Hofe, die Königin von England hätte Mtesa eine Spieldose, tausend Flinten und viel Zeug gesandt, aber die Missionare hätten alles unterschlagen. In der Spieldose seien übrigens lauter lebendige Teufel; wenn Mackay pfeife, fingen sie an zu spielen; wenn er ihnen »Halt!« zuriefe, würden sie still.

Als Mackay am Missionshaus baute, raunten sie dem König und seinen Räten ins Ohr, das sollte eine Festung werden und das sei der Anfang zur Eroberung des Landes. Fünfzig Sklaven wären schon einexerziert, und andere Soldaten kämen von der Küste. Das politische Motiv spielten sie übrigens in allen Tonarten, um Mißtrauen gegen die Fremden und besonders gegen die Missionare zu säen. Diese seien nur politische Spione und Agenten. Nach ihnen kämen die Engländer, um das Land »aufzuessen«. Im Gottesdienst am Hofe erschwerten sie die Lehrtätigkeit durch lästige Zwischenbemerkungen, z. B.: die Weißen seien Bilderanbeter, hätten eine falsche Religion, äßen Schweinefleisch, hielten Hunde und seien schlecht, am schlechtesten aber wären die Engländer. Solange Mackay in Uganda war, kämpften sie mit allen Mitteln gegen ihn, und als er endlich die Hauptstadt verließ, wozu sie viel beigetragen hatten, frohlockten sie, freilich zu früh, denn ihre Zeit ging damals zu Ende und die des Christentums begann erst recht.

Neben den Muselmännern stellten sich aber noch andere Gegner ein, denen Mackay zu begegnen hatte und zu begegnen wußte.

Am 23. Februar 1879, einem Sonntag, gingen die Missionare nach ihrer Gewohnheit an den Hof, um zu predigen. Aber dort war große Aufregung, und niemand kam zum Gottesdienst. Es sollten zwei Weiße als Gäste des Königs angekommen sein. Die Missionare hatten keine Ahnung, wer das sein könnte. Es waren jesuitische Gegenmissionare, französische Untertanen von den Vätern des Kardinals Lavigerin aus Algier. Vergebens erinnerte sie Mackay an ein altes Abkommen, daß man Mohammedanern und Heiden nicht das bedauerliche Schauspiel einer in sich gespaltenen Religion bieten, sondern auf getrennten Feldern arbeiten wolle. Die Priester erklärten, sie seien an jenes Abkommen von Bagamoyo nicht gebunden, da sie einem anderen Orden angehörten.

Dem König, dem die Franzosen sehr wertvolle und sorgfältig ausgewählte Geschenke machten, war es ganz willkommen, wenn er die beiden Missionen gegeneinander ausspielen und aus beiden Vorteile ziehen konnte, ohne sich für das eine oder für das andere entscheiden zu müssen.

Bald kam es zu häßlichen Auftritten am Hofe. An einem Sonntag hielt Mackay Gottesdienst. Lourdel und sein Genosse, den Mackay noch nicht kannte, waren auch zugegen. Die Grüße des Engländers erwiderten sie kaum. Der Gottesdienst begann. Mackay schlug sein »Prayerbook« auf, und alle knieten nieder zum Gebet. Nur die römischen Priester blieben sitzen und schwatzten dabei. Mtesa stellte sie darüber zur Rede und fragte, ob sie nicht an Christum glaubten und Ihn anbeteten. Lourdel erging sich nun in den beleidigendsten Ausdrücken, nannte Mackay einen Lügner und die Bibel ein Lügenbuch. Mackay seufzte innerlich um Gnade, sich jetzt recht verhalten zu können. Der Herr stand ihm bei, so daß er in aller Ruhe und Klarheit erzählen konnte, was die Protestanten von Rom trennt. Die Römischen hätten den Papst als Oberhaupt, die Evangelischen hätten die Bibel als einzige Autorität und verehrten keinen anderen Herrn als Jesum Christum. Um die Gemüter zu beruhigen, setzte er hinzu, in vielen Dingen stimmten beide Konfessionen überein. Der aufgeregte Priester wollte aber nichts vom Frieden wissen und wiederholte seine Schmähungen. Niemals hörte Mackay so oft das Wort muongo (Lügner) auf sich anwenden als von jenem römischen Pater. Die Verwirrung unter den Zuhörern war schließlich so groß, daß Mtesa erklärte: »Die Araber lehrten mich, an einen Gott zu glauben, Mackay sagte mir von zweien (Gott und Christus), und die Franzosen haben gar drei (Gott, Jesus und Maria); nun glaube ich keinem mehr. Jeder weiße Mann hat ja eine andere Religion.«

Vierzehn Tage nach den Jesuiten traf ein Brief des englischen Generalkonsuls in Sansibar ein, in dem u. a. stand, die englischen Missionare hätten nichts mit der Politik zu tun; sie seien aus eigenen Antrieb gekommen und nicht direkt von der Königin gesandt. Dadurch sollte bei Mtesa der Verdacht zerstreut werden, daß die Missionare politische Agenten seien. Mtesa befahl den Arabern, den Brief zu übersetzen. In ihrem Hasse gegen die Christen übersetzten sie nun falsch und lasen, daß »kein Engländer in Uganda von der englischen Königin komme oder Briefe von der englischen Regierung habe«. Nun hatten aber wenige Wochen vorher drei Missionare, die zu Mackays Unterstützung kamen, ein Schreiben vom Premierminister im Namen der Königin überreicht.