Es gab einen neuen, schrecklichen Auftritt. Mtesa nannte Mackay und seine Mitarbeiter Betrüger und erklärte den Brief von England als eine Fälschung. Die Einsicht in den Brief des Konsuls wurde ihnen vorenthalten. Sie mußten alles über sich ergehen lassen und stellten es Gott anheim, der da recht richtet und den Wahrhaftigen hilft. Da sie trotzdem noch geduldet wurden, fuhren sie desto eifriger in der Ausbreitung der Wahrheit fort.
»Es scheint mir,« schreibt Mackay, »daß Gott das Eindringen der falschen Lehren zugelassen hat, damit wir die Wahrheit um so eifriger verbreiten. O, daß wir die kurze uns zur Verfügung stehende Zeit mehr zur Verherrlichung Gottes gebrauchen könnten und wollten! Wir taten, was wir konnten, zu verhindern, daß Unkraut unter den Weizen gesät würde, als die ersten Papisten im Anzuge waren, und nun werden sie sich neben uns festsetzen. – Wir müssen alle Kraft daransetzen, dem Volke die Heilige Schrift in ihrer eigenen Sprache zu geben und sie lehren, dieselbe zu lesen und zu glauben.«
Darin sah Mackay mit Recht die beste Waffe und das beste Abwehrmittel gegen alle Feinde, auch gegen die katholische Propaganda. Bald nach seiner Ankunft in Uganda begann er eine beträchtliche Anzahl Lesetafeln herzustellen. Er verfertigte große Lettern aus hartem Holz und druckte mit Hilfe seiner kleinen Presse Buchstaben, Silben, Wörter und auch ganze Sätze auf zugerichtete Tafeln. Die Fibeln gab er den herzuströmenden Lernbegierigen und unterrichtete sie dann in der Lesekunst. Den Fortgeschrittenen händigte er gedruckte Bibelsprüche ein und unterwies sie zugleich in den geoffenbarten Wahrheiten.
Das größte Verdienst erwarb sich Mackay aber durch seine Übersetzungsarbeiten. Seine Mitarbeiter wechselten oft, zu oft, um mit der Landessprache völlig vertraut zu werden und zuverlässige sprachliche Arbeiten anfertigen zu können. Mackay dagegen war neun Jahre ununterbrochen am Orte und stand nach seiner Verdrängung noch zweieinhalb Jahre im regen Verkehr mit den Waganda, deren Sprache er wie seine eigene kannte. Im Januar 1880 begann er mit der Übersetzung des Evangeliums Matthäi mit dem Gebete: »Möge der Heilige Geist, der das Wort zuerst eingab, mir Herz und Hand zu dieser Arbeit reinigen und dieselbe heiligen zur Ehre meines hochgelobten Herrn und Meisters Jesus Christus!« In diesem Geiste und der ihm eigenen Sorgfalt und Gründlichkeit übersetzte er im Laufe der Jahre nicht nur das Matthäus-, Lukas- und Johannesevangelium, sondern auch ausgewählte Psalmen, Gebete und Lieder in die Landessprache. Dann druckte er sie auch und band die Bücher, wobei ihm seine Mitarbeiter fleißig Handreichung taten. Außerdem wurde auch das Suahelitestament in Uganda sehr verbreitet, besonders im Anfang, weil viele dieser Sprache mächtig waren.
Das Übersetzte wurde wiederholt unter dem Beistand seiner Mitarbeiter und geförderter Wagandachristen revidiert und korrigiert. Mit ihnen saß er auch in der schweren Verfolgungszeit nach Mtesas Tode (1884) manchen Tag und manche Nacht über dem heiligen Texte. Die meisten Exemplare wurden verkauft, nicht verschenkt, und gingen so rasch ab, daß immer neue Auflagen gedruckt werden mußten. Das bereitete Mackay neben der Freude auch manche Not, da die Mittel und Hilfsmittel so dürftig waren, wie sie nur sein konnten.
Das Wort Gottes wurde unter dem Volke ein Same der Wiedergeburt und die tägliche Seelenspeise der Bekehrten. Stanley, der 1889 in der Nähe Ugandas war, beobachtete mit Staunen die christlichen Flüchtlinge aus Uganda – es war gerade zur Zeit der Verfolgung –, wie »fast jeder von ihnen ein Buch hatte, Gebete und das Evangelium Matthäi, wie sie in ihren Hütten sich auf den Boden legten, ihre Bücher hervorzogen und darin lasen« und ihm erzählten, sie seien alle – etwa 2500 – Mackays Schüler und gehörten zu Mackays Mission; jeder hätte persönlich das Buch von ihm empfangen.
So kämpfte der Held von Uganda mit dem Schwert des Geistes unermüdlich gegen die furchtbare Macht der Finsternis im dunkelsten Afrika. Zur Bekämpfung des abscheulichen Sklavenhandels hat er in seinen Briefen an Londoner Zeitungen viel Anregung und wertvolle Winke gegeben. Er klagt darin besonders über den Freihandel, durch den es den Arabern gestattet war, sich und ihre Helfershelfer mit Pulver und Gewehren zur Menschenjagd auszurüsten. Ohne diese Mordwaffen könnten weder die Araber noch die Eingeborenen die Sklavenjagd betreiben. Die uneingeschränkte Einführung von Mordwaffen in Afrika sei die reine Wahnsinnspolitik. »Die englischen Schiffe, welche Missionare und Bibeln zur Bekehrung Afrikas hierherführen, bringen in weit größerer Anzahl Gewehre mit, die diesen Weltteil in eine Hölle verwandeln. Immer wieder haben mir die Waganda gestanden, daß ihnen nur die Gewehre ihre Raubzüge in die Nachbargebiete möglich machten. Die schwarzen Könige würden sich bald vertragen, wenn ihre Pulverkammern leer wären.«
Afrikanischer Häuptling.