Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus,

Dann sehnt der König sich nach deiner Schöne,

Und an der Väter Statt umjubeln dich die Kinder,

Und werden Fürsten auf der weiten Erde!«

Dieser Ausruf voll flammender Begeisterung und leidenschaftlicher Liebe für die unsterblichen Seelen in Uganda ist die letzte Botschaft unseres Helden. Sie trägt das Datum: »Usambiro, 2. Januar 1890« und langte am 24. April desselben Jahres in London an. Kurz vorher aber lief ein Telegramm aus Sansibar ein und meldete den Tod Alexander Mackays. Der elektrische Funke hatte mit der Trauerkunde den Postdampfer mit dem Aufruf um zehn Tage überflügelt.

Die Post brachte aber noch eine andere charakteristische Botschaft Mackays. Von der Missionsgesellschaft war ihm in berechtigter Sorge um seine Gesundheit dringend nahegelegt, zu einem längeren Erholungsurlaub heimzukehren. Mackay erwiderte dem Sekretär unter dem 2. Januar: »Aber wie können Sie mir schreiben: ›Komme heim!‹ Bei diesem schrecklichen Arbeitermangel darf keiner seinen Platz verlassen. Schicken Sie mir zuerst zwanzig Männer, dann komme ich vielleicht und helfe Ihnen die zweiten zwanzig suchen.«

Mackays letzte Tage waren angefüllt mit weitausschauenden Plänen zur »Lösung des afrikanischen Problems«. Unter diesem Titel veröffentlichte er kurz vor seinem Heimgang noch einen meisterhaften Artikel voll missionarischer Weisheit und staatsmännischem Scharfsinn und schrieb darunter: »Fortsetzung folgt.« Es ist aber keine Fortsetzung mehr eingetroffen. Der Tod hatte ihm inzwischen die berufene Feder entwandt.

Einige Tage vor seinem Tode hatte sich Mackay bei der Arbeit an einem Dampfkessel eine Erkältung zugezogen, auf die er aber nicht weiter achtete. Dann half er seinem Mitarbeiter Missionar Deekes, der erst kurze Zeit bei ihm war, gesundheitshalber aber wieder abreisen mußte, eifrig beim Packen. An dem zur Abreise bestimmten Tage lag Mackay aber in so hohem Fieber, daß Deekes die Träger wieder abbestellte und sich vorläufig der Pflege seines Kollegen widmete. Das Malariafieber steigerte sich bedenklich und ließ das Schlimmste befürchten, da keine ärztliche Hilfe zu haben war. Nach vier Tagen, am 8. Februar 1890, abends um 11 Uhr, drückte der erschrockene Missionar dem Helden von Uganda die Augen zu.

Aus Brettern, die der Heimgegangene selbst geschnitten und für ein Boot zugerichtet hatte, wurde ein Sarg gezimmert und die Leiche hineingebettet. Am folgenden Tage, es war ein Tag des Herrn, senkten sie den schmucklosen Sarg am Ufer des Niansa in die afrikanische Erde. Wehklagend um den geliebten Lehrer und Hirten umringten die Wagandachristen die frische Gruft. Missionar Deekes versuchte einen Bibelabschnitt zu lesen, brach aber vor Schwäche und Schmerz zusammen. Dann ermannten sich die Schüler Mackays und sangen: »Laut rühmet Jesu Herrlichkeit!«

Ein weißes Marmorkreuz mit einer arabischen, suahelischen und englischen Inschrift, gestiftet von einer edeln Gräfin, kündet heute den Eingeborenen, daß hier einer ruht, der für sie starb und lieber ein Bote des Kreuzes war als ein König auf dem Thron.