Der Rector lächelte über die Aufregung Justinens, und sprach mit dem Consultador spanisch. Dieser winkte mit der Gravität des Vorgesetzten dem Pfarrer, und sagte ihm: »Sie stehen mir dafür, daß die Person sich kein Leid anthut, und daß ich sie bei meiner Rückkehr wieder finde.«
Justine, von Thränen übermannt, und das Gesicht in ihre Hände verbergend, beachtete nichts um sich her. Die Lainez und die Indianerin sprachen zu ihr, wie zu einer Bildsäule. Münzner ging händeringend im Hintergrunde des Gemachs auf und nieder. James starrte düster vor sich hin, und der Pfarrer entfernte das Volk, bis auf die Obern der Colonie. Dann sagte er bescheiden aber fest zu dem Consultador:
»Mein Vater! ich erinnere Sie, daß mein Pfarrhaus kein Gefängniß ist. Noch viel weniger scheint mir die Jungfrau eine Verbrecherin.«
»Sie gehorchen!« war die kurze drohende Antwort; »ich nehme Alles bei dem Provinzial auf mich.«
»Bedenken Sie!« sagte Luis; »wenn der Generalcapitän erfährt ...«
»Was da?« brausten Consultador und Rector auf. »Hier ist der heilige Ignacio Generalcapitän. Wo wären wir der Excellenz zu Buenos-Ayres unterworfen? Haben wir nicht unsere Verträge, unsere Rechte? Wo die Gesellschaft befiehlt und den Tribut bezahlt, muß Monarch und Statthalter schweigen.«
»Das nimmt kein gutes Ende!« sagte Luis: »ich protestire.«
»Mademoiselle Müssinger ist eine Fremde!« sprach James, der nur mühsam bisher an sich gehalten: »wie wollen Sie, meine Väter, verantworten, was Sie thun?«
»Wer spricht hier?« fragte der Rector drohend entgegen: »Mademoiselle ist durch den Tod ihres Vaters meine Mündel.«