»Ich bin nicht geistlich,« antwortete Vereira lächelnd, »und wenn ich in einer Kutte gehe, die dem Kleide des heil. Franziskus ähnlich sieht, so geschieht das blos, um meines Oheims Uniform zu tragen; eigentlich, um mich vor dem Volke als den sogenannten Kronprinzen vom guten Jesus in den Wildnissen zu legitimiren. Mein Onkel, der ein tapferer Soldat in den Carabiniers von Arragon gewesen, denkt übrigens wie ich, daß der Friede nöthigenfalls nur durch den Krieg erhalten werden könne. Die Jünger Loyola's und die Statthalter des Königs Johann sind uns gleich verdächtig. Wahrlich, mein Vater, wäret Ihr nicht ein kaltblütiger Deutscher, der mehr Ehre im Leibe hat, als ein Portugiese oder ein Franzose, bequemer schweigt, und die Gastfreundschaft des guten Pater Luis, — welcher leider auch Euer Kleid trägt, — genug zu schätzen weiß, um ihn, der Euch empfahl und Uns, seine Verwandten, nicht zu verrathen, — ich würde Euch nicht mitgenommen haben. — Mit einem Portugiesen macht man übrigens nicht so viel Federlesens. Man schießt ihn vor den Kopf, und er mache dann was ihm beliebt.«
»Sie sollten eine Armee kommandiren,« — antwortete Münzner lächelnd. —
»Beim heiligen Jakob!« fuhr der kampflustige Fernandez fort: »das wäre eben meine Freude. Ein Commando gegen die Portugiesen! Ihr werdet Euch freilich wundern, wenn ich Euch sage, daß unser Haus selbst aus Portugal stammt; daß einer unsrer Vorfahren selbst vor achzig Jahren den Holländern — Gott verdamme die Krämer, — das Land längs den Küsten abnahm; das brasilische, meine ich. Aber der Undank, womit man ihn belohnte, bewog unsre Branche, die schon früher nach Spanien verpflanzte, in spanischem Dienste zu bleiben, bis denn endlich auch hier der Dienst so schlecht wurde, daß sich mein Onkel geistlich machte, und später auch mich vermochte, meinen Freibrief zu nehmen. Ich war Lieutenant unter den Pikenierern des Regiments der Milizen zu Lima; hing aber gerne Schärpe und Federbusch bei Seite, da mich der Onkel beschied. Seitdem suchen wir uns nun in dem Lande, wo unser glorreicher Verwandter Wunder der Tapferkeit gethan, zu behaupten; dem König Johann und allen Jesuiten des Königreichs zum Trotz. Unter Anderm, Pater Xaver, thut mir die Liebe, und legt Euer Kleid ab.«
»Wie?« fragte Münzner überrascht: »Verstehe ich Sie, Sennor Vereira?«
»Nichts Leichteres,« fuhr der junge Mann leicht und lebhaft fort; »Ihr werdet mich verbinden, und Euch einen bessern Empfang bei meinem Oheim bereiten, der schon vor dem schwarzen Rocke allein einen unüberwindlichen Abscheu hegt.«
»Das thut mir leid,« entgegnete der Doctor, kälter werdend: »ich lege aber den Rock nicht ab.«
»Wie? diese Gefälligkeit versagt Ihr mir?« fragte Vereira: »Stellt Euch nicht gewissenhaft, wo es unnöthig ist. Pater Luis hat einige Worte fallen lassen, die mir bewiesen, daß Ihr selbst Euern Stand nicht besonders liebet. Was soll denn das Sträuben?«
»Wenn ich auch den Fall setzen möchte, daß ich meinen Orden nicht liebe,« entgegnete Münzner, »so ehre ich ihn doch, und verläugne seine Insignien nicht. Ohne den Befehl oder die Erlaubniß meiner Obern lege ich das Kleid nicht ab.«
»Ihr machet mich lachen,« sprach Vereira etwas bitter: »Ihr sprecht von Euern Obern, in einer Wüste, fünfzig Meilen von jeder Mission, noch weiter von einem Ordenshause entfernt. Machet es, wie Ihr Herren es mit den Fasten macht: dispensirt Euch selbst.«
»Wenn es den Umgang mit Protestanten gälte, so könnte ich's auf mich nehmen,« versicherte Münzner mit unerschütterlichem Ernst; »Gegen Religionsbrüder lüge ich nicht. Der Pabst hat unser Gewand geheiligt und bestätigt. Ich darf es mit Stolz überall zeigen, wo man zur Messe geht.«