»Und Sie, Madame, sind, wie Sie sagten, Katholikin?«
»Aufrichtig zu sein, Mademoiselle, muß ich Ihnen bekennen, daß mein Vater, ob er gleich zur Messe ging, dennoch Protestant geblieben. Wir Kinder folgten, größer geworden, seinen Grundsätzen. Herr von Lainez ließ mir freien Willen in Religionssachen. Meine Verwandten zu Berlin werden freilich nie glauben, was ich Ihnen so eben gestand, aber es ist nicht minder wahr, daß ich einem Rücktritt mich entgegen sehne.«
»Dann müssen Sie aus diesem Hause!« rief Justine lebhaft: »ja Madame. Sie müssen, — ehe Sie erfahren ...«
»Was, Mademoiselle?«
»Ich werde überlegen, — nachdenken, Sie dieser Lage entreißen. Glauben Sie mir; ich will nur Ihr Heil, Ihres Lebens Wohl.«
»Erklären Sie sich....«
»Ein Andermal ... Morgen oder Uebermorgen! So eben schlägt die Stunde, in der ich schon zu Hause sein sollte. Ich verlasse Sie jetzt, um Sie bald gefaßter wieder zu sehen. Veranstalten Sie indessen, daß ich den Engländer hier nicht finde. Leben Sie wohl, meine Beste. Keinen Dank für die Kleinigkeit, die ich Ihnen reichen durfte; ich wünsche, ich hoffe, ein Mehreres für Sie thun zu können. Adieu.«
Justine ging in der heftigsten Bewegung von dannen. Die Lainez folgte ihr verlegen über den Hof; öffnete ihr die Pforte, und des Senators Tochter eilte die Gasse hinauf. James, der an der Ecke ihrer wartete, wie ein armer Sünder seines Richters, hätte zu keiner unpassenderen Zeit in ihren Weg treten können.
»Was wollt Ihr?« fragte sie ernst und hastig, und streifte an ihm vorüber.
»Mademoiselle!« entgegnete er verschüchtert: »hassen Sie mich nicht! ich wollte meine Reue ... ich hatte nicht Ruhe; ... darf ich nicht ein Wort ...?«