Justine hatte, wenig auf die Reden ihres Lehrers horchend, mit unverwandtem Auge die Mutter beobachtet, und wie es schien, den Moment der Siesta erwartet, denn im Augenblicke, als Jacobinens Augen zufielen, nahm sie dem in seinem Vortrag versunkenen James das Buch aus der Hand, klappte es schnell zu, und sagte, kurz abfertigend: »Lassen wir's jetzt gut sein, Monsieur. Ich habe keine Lust, und damit genug. Weil mein Vater es will, und Euch vielleicht an einem Verdienste in unserem Hause etwas gelegen sein möchte, will ich wohl mich anstellen, als sei mir die Sache Ernst. Spart Euch jedoch alle ernstliche Mühe, denn ich kann Eure Sprache nicht leiden, folglich nicht sprechen. Adieu bis Morgen, Monsieur.«

James sah die gar offenherzige Schülerin überrascht an, biß sich gekränkt in die Lippen, und erwiderte: »Wahrlich, Mademoiselle, aus Ihrem Munde hätte ich ein lieblicheres Wort erwartet. Mein Vater war ein Edelmann, und hat mir den Grundsatz eingeprägt, nirgends lästig zu sein, wo ich nicht nützen kann. Ich werde gehen; erlauben Sie jedoch, daß ich das Erwachen Ihrer Mutter abwarte, um mich in der Form von ihr zu beurlauben. Bis dahin dulden Sie meine Gegenwart.«

»Ich wollte Euch nicht beleidigen, mein Herr,« antwortete hierauf Justine etwas beschämt: »Vergebt, wenn ich die Worte vielleicht schlecht gewählt. Ich bin oft vorlaut mit Reden, die mich nachher reuen. Eure Person wäre mir nicht so unangenehm, aber Eure Sprache pfeift und zischt so viel, sie ist so rauh, daß ...«

»Wundern muß ich mich,« fiel James schnell versöhnt ein, »daß Ihr Herr Vater, Ihnen und Ihrem Wunsche gegenüber, mit Gewalt auf dieser Sprache besteht. Unlust lernt und fördert nicht, aber die Zeit ist verloren.«

»Hm!« lächelte Justine, die Augen auf das Schreibbuch geheftet: »ich soll nach New-York verheirathet werden, und der Vater glaubt ...«

»Nach New-York in Nordamerika?« fragte James staunend. Justine nickte schweigend, und machte Buchstaben auf das vor ihr liegende Blatt.

»Nach New-York?« wiederholte James, und schlug mit verschränkten Armen die Blicke zur Decke auf: »So weit vom Vaterhause? Da müssen Sie freilich englisch lernen.«

»Nicht doch,« versetzte Justine lächelnd, aber bestimmt: »mein zukünftiger Mann mag deutsch lernen, und die Freunde meinethalben französisch, um sich mit mir zu unterhalten. Das Englisch für die Domestiken lernt sich dort an Ort und Stelle.«

»Sie irren sich im ersten Punkte,« behauptete James: »man würde es zu New-York für eine Schande halten, eine andere Sprache in Gesellschaft zu reden, als die englische Colonisten-Muttersprache. Im Innern finden Sie wohl noch das holländische Idiom, aber ...«

»Sieh' doch,« unterbrach ihn Justine, durch den Widerspruch gereizt: »Ihr redet ja so entschieden, als ob Ihr mit eigenen Ohren gehört hättet, was Ihr behauptet.«