»Ich bitte, unsern Marlborough nicht zu vergessen,« sprach Birsher in den Gläserklang: »das Heldenpaar hat sich zu Malplaquet unsterblich gemacht. Ich habe mich oft gesehnt, Flandern zu besuchen, wo so viele Tapfere gefochten. Ich will es thun, und bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, das ehrenvolle Bette Ihres Gemahls zu betreten, Madame. Wissen Sie aber, daß Ihr Name weniger militärische Erinnerungen als vielmehr geistliche erweckt? Wenn ich nicht irre, so nannte sich der zweite Ordensgeneral der Jesuiten Lainez. Er war ein ausgezeichneter Mann; seine Feinde selbst müssen es eingestehen, denn seiner rastlosen Bemühung verdankt diese furchtbare Gesellschaft ihren raschen Aufschwung.«

Die Lainez schlug die Augen nieder und erwiderte: »mir ist von jenem Manne nichts bekannt. Auch hörte ich nie von meinem Manne, daß einst in seiner Familie ...«

»Wünschen Sie sich Glück, Madame,« unterbrach sie der junge Birsher mit freundlicher Bestimmtheit: »so floß in seinen Adern auch kein Tropfen jenes herrschsüchtigen Alles verachtenden Uebermuths, der in den Jüngern des Loyola und des Lainez sich hervorthut.«

»Ja wohl! ja wohl!« äußerte der Buchhalter, besorgt den Kopf schüttelnd: »die Jesuiten! die Jesuiten! Wer diese Firma zuerst auf den Markt brachte ...«

»Man macht, denke ich, die Leute gefährlicher als sie sind,« sagte der Doctor gutmüthig lächelnd: »was meinen Sie, Herr Senator? Unser hochgeehrter Tischgenosse hat sich, wie ich glaube, mehr mit der verrufenen Gesellschaft Jesu abgegeben, als bei einem Kaufmann bräuchlich ist ...«

»Freilich,« sagte Birsher aufrichtig: »es ist ganz natürlich. Wir Leute zu New-York hören an jedem Sonntage den Prediger über den Papst und sein Reich den Bann aussprechen, und der Jesuiten, dieser Trabanten des Stuhls Petri, wird allerdings dabei auch nicht geschont. Ferner lesen wir historische Schriften. Und spräche nicht die Weltgeschichte zu uns, — würde auch unser Prediger der Schildhalter des Papstthums nicht erwähnen, — die Zeit würde es von selbst thun. Dieser gefährliche Orden ist unsers Standes Nebenbuhler, Herr Senator. In den katholischen Staaten sitzen Jesuiten am Ruder, und lenken die Zügel des Handels und der Gewerbe. In Westindien, in Südamerika vorzüglich haben sie ihre Commanditen. Ihre Habsucht trachtet alle Monopole, von welchen die Handelswelt niedergedrückt ist, in ein Einziges zusammen zu ziehen, und dieses Einzige selbst auszubeuten.«

»Ei, ei, Ew. Edeln gehen verzweifelt weit,« ermahnte der Senator lächelnd, und ungeduldig wegen des Doctors, der unruhiger wurde.

»Keineswegs,« fuhr jedoch ohne Bitterkeit und Animosität der Amerikaner fort: »ich gestehe ein, daß ich die Katholiken nicht liebe. Unser Mutterland hat viel durch sie gelitten. Ich liebe eben so wenig den Orden, den wir berührten. Allein Parteilichkeit leitet mich auch nicht, indem ich ihn verdamme. Die ledige Erfahrung spricht für mich. Was haben wir, was hat die ganze Welt von einer Stiftung zu erwarten, die den Fürstenmord begünstigt? von einem Orden, dessen Glieder, als Beichtväter der Könige, Zwietracht säen zwischen den Herrschern und ihren Völkern? Man weiß, wer in den letzten Zeiten die abscheuliche Mörderei in den Cevennen, wer den Widerruf des Toleranzedikts von Nantes verschuldet hat, der Tausende der besten Bürger mit ihren Familien der Heimath entfremdete. Wer dem Vaterlande in seinen Söhnen das Mark aussaugt, wer es in seinen Söhnen ermordet, begeht Hochverrath an der ganzen Natur und an ihrem Schöpfer. Vielleicht sind Sie nicht meiner Meinung, Madame, aber ich denke nicht anders.«

»Die Aufhebung des Edikts von Nantes machte mich mit meinen Eltern unglücklich,« erwiderte die Lainez mit feinem Doppelsinn.

»Eine Vertriebene also? eine Gemißhandelte?« fragte Birsher mit warmer Theilnahme; »nun wahrlich, so freut es mich, hier unter ehrlichen Protestanten zu sitzen, vor denen mein Herz reden kann, wie ihm zu Sinne ist. Ich hasse die Heuchelei, und diese Aufrichtigkeit ist nicht meine Tugend, sondern Sitte in Amerika.«