Der Senator betrachtete sie mit großen Augen, und ein lächelnder Schein spielte um den bitter geklemmten Mund. Er streichelte Justinens Gesicht mit wiederkehrender Zärtlichkeit. »Belügst du mich nicht, Mädchen? Oder hältst du mich nicht etwa hin, um im Augenblick, wo es darauf ankömmt, wahr zu sein, dein Wort zurückzunehmen?«

»Ich lüge nicht, lieber Herr Vater,« bekräftigte Justine mit offener Stirne; »ich will des Herrn Birsher Frau werden, wann Sie es haben wollen.«

»Und deiner Mutter unvermeidliche Einsprache?«

»Die Mutter ist damit einverstanden, lieber Vater.«

»Einverstanden?«

»Die hat mich sogar mit Thränen gebeten, den Antrag nicht zurückzuweisen, wenn er mir gemacht werden sollte; und ich darf Sie ersuchen, Herr Vater, daß Sie mit der Hochzeit eilen, wie es nur die Schicklichkeit verstattet.«

»Unverständliche Sybille! ich fasse dich nicht.«

»Mir ahnt, Herr Vater, als ob in diesem Bunde viel Besorgniß ihr Grab finden müßte,« erwiderte Justine mit Bedeutung: »wann Sie wollen, demnach, mein Vater.«

»Wie ist es dem ruhig verständigen Mann gelungen, in so kurzer Zeit dein gepanzertes Herz zu erobern? Er hat nicht einmal deiner Eitelkeit geschmeichelt.«

»Sie halten mich noch für ein Kind. Herr Birsher mißfällt mir nicht. Ich liebe ihn indessen eben so wenig. Ob sich die herzliche Zuneigung finden wird? — ich weiß es nicht. Aber ich opfre mich gerne einer zweifelhaften Zukunft, um Sie und Ihr Haus zu beruhigen.«