Im festlich mit Eichengewinden decorirten Saal war der Theetisch bereitet. Eine der ältern Pflegetöchter, eine muntre hübsche Brünette bediente die Anwesenden anmuthig und gewandt. Die andern Zöglinge giengen ab und zu und Albina wußte es leicht zu veranstalten, daß die Mutter die Freunde mit den Produkten des Fleißes und der Geschicklichkeit der Kinder unterhalten mußte und also ihre und Theodors Entfernung weniger bemerkt wurde. Endlich (es war schon dunkel und an der reinen azurnen Himmelsdecke funkelten zahllose Sterne) traten die 2 jüngsten Kinder der Anstalt, als Genien gekleidet in das Zimmer. Das weise Gewand war mit Blumengewinden hinaufgeschürzt und Blumenkränze zierten die blonden Köpfchen. Jede trug eine kleine Fackel in der Hand und mit freimüthigem Anstand näherten sie sich der Gesellschaft und sprachen abwechselnd:
Möchte es Geliebte Euch gefallen
Uns zu folgen in die heil’gen Hallen
Wo die Kindesliebe Eurer harrt.
Möchte dort ihr Walten Euch erfreuen
Wo sie treulich in dem Kreis der Treuen
Jegliche Empfindung offenbart.
Freudig erstaunt folgten die Eingeladenen den lieblichen Führerinnen. Im Gartenzimmer, das von einer Lampe matt erhellt und reich ausgeschmückt mit duftenden Blumen in Töpfen und Vasen war, standen vor der geöffneten Flügelthüre, welche in den Garten führte, die berechneten Sitze für die Eintrettenden. Der mit vielen farbigen Flämmchen erleuchtete Gang leitete die Blicke zu einem im Hintergrund befindlichen Tempel, dessen Dach auf grün belaubten Säulen ruhte und welcher die Strahlen, einer hinter ihm transparent angebrachten Sonne wiedergab. Ein Altar stand in der Mitte derselben; an ihm ward Albinens edle holde Gestalt im himmelblauen griechischen Gewand sichtbar, welche die Flamme die auf dem Altar brannte, sorgfältig unterhielt. Die Kinder alle wie die beyden Ersten gekleidet, umringten in 2 Halb-Zirkeln den Tempel. In der entfernten Laube ertönte (auf das gegebene Zeichen, daß die Gefeierten zugegen wären) eine vollstimmige Musik. Sie begann mit einem feierlichen Choral, in welchen die feinen Kinder-Stimmen einfielen und Albina in betender Stellung an dem Altar niedersank.
Sie sangen: