Diese Entdeckung machte mich rasend. Anna war also die Ursache so vieler trüben Stunden, in welchen ich mich über das Stillschweigen der Meinigen ängstigte! Anna unterschlug das von mir bestimmte Eigenthum derselben und verkümmerte mir die kleine Freude aus niedrigem Eigennutz, aus schändlichen Argwohn! Nun war es fest beschloßen mich von ihr zu trennen; und statt nach Sidney’shouse, sprengte ich nach London zurück, eilte zum Westminster Gebäude, woselbst viele Rechtshändel geschlichtet werden und brachte meine Ehescheidungsklage an. Nach diesem Schritt trieb mich die Vaterliebe wieder nach Hause: denn ich wußte, wie wenig Sorge die Mutter den Kindern wiedmete. Unterwegs überlegte ich, daß ich mit Ruhe am Ersten zu meinem Zweck gelangen und Lady bestimmen würde, mir meine zwei Kinder zu überlassen; und diese Hoffnung gab mir die Gewalt über die heftigen Ausbrüche meines gereizten Gemüths gegen die Urheberin seiner Leiden. Besonnen und kalt machte ich Anna mit meinem obigen unwiederruflichen Entschluß, und mit den Beweggründen zu demselben bekannt und fand zu meinem Erstaunen eben so viel Kälte und Bereitwilligkeit, sowohl für die Trennung, als für meinen Wunsch, die Kinder mir zu überlassen. Mir war es in diesem Augenblick, als fielen klirrend die Ketten zu meinen Füssen, welche mich so lange schmählich gefangen hielten. Ich eilte in das Zimmer meiner Kinder, preßte die Kleinen unter heißen Küssen an das klopfende Herz und konnte kaum den folgenden Tag erwarten, um mit ihnen und ihrer Wärterin nach London zu fahren. Ganz ruhig war der Abschied der unnatürlichen Mutter von ihren Kindern und — und als hätte ich sie aus dem Feuer gerettet eilte ich mit ihnen davon.

Auf der Straße begegnete ich John wieder und nahm ihn in meine Dienste, wo er sich bisher ganz zu meiner Zufriedenheit beträgt. In der Stadt logierte ich mich in einen Gasthofe ein, um den Ausgang meines Prozeßes zu erwarten. Nur einmal mußte ich mit Lady Anna vor den Schranken erscheinen und da weder sie noch ich an eine andere Instanz zu appellieren gedachten sondern mit dem Ausspruch der Richter vollkommen zufrieden waren, so war er sehr bald geendigt.

Meine beschwerliche und sorgenvolle Lage während meiner Rückreise, konnte nur die unendliche Vaterliebe zu meinem William, zu meiner Fany mir ertragen helfen. Fast in jedem bedeutenden Ort, wechselte ich, theils durch Umstände genöthiget, theils vielleicht auch aus übertriebener Besorgniß die Wärterin und es ist ein wahres Wunder, welches mich mit dem innigsten Dank gegen die Vorsicht erfüllt, daß die Kleinen diese gefahrvolle große Reise so glücklich überstanden haben. Einige kleine Unpäßlichkeiten abgerechnet, brachte ihnen das veränderte Klima und die verschiedene Lebensweise keinen Schaden. Auch gegenwärtig, wo ich dieses schreibe, sind sie vollkommen gesund.

Aber Guido der Vater, theilt mit Guido dem Sohn, die unbeschreibliche Sehnsucht, bald mit seiner köstlichen Beute im sichern Haven, im Arm der Eltern von all den Stürmen, welche ihn im fernen Land Verderben drohend umbraußten, auszuruhen! —

O, des seeligen Augenblicks! wo meine Kleinen ihre Aermchen um den Nacken der besten Großeltern schlingen und ich die theuern Vater- und Mutter-Hände auf mein wundes Herz drücken und damit die vielerlei schmerzlichen Gefühle, welche darinnen herrschen beschwichtigen werde!

Ein neues Leben wird mir aufgehen! Meine gesammelten Erfahrungen sollen mich begleiten auf das Feld der Thätigkeit, das ich mir suchen werde. Ich will wirken und nützen, und wird gleich mein Bild einst nicht der Nachwelt aufbewahrt, wie das berühmter Britten in der Westmünster Abtey: so soll doch hie und da eine Stimme im Vaterland mir ein segnendes Lebewohl in die kühle Gruft nachrufen.

Ich erwarte nun keine weitere Nachricht. Fest auf die Liebe theurer Eltern bauend, werde ich diesem Brief bald nachfolgen, um den Forderungen eines kindlichen Herzens und den väterlichen Wünschen und Sorgen für meine Kinder ein Genüge zu leisten.

Ihr Guido.