»Misericordia, Du bist wahrhaftig törichter, als ich gedacht habe! Wenn ich nichts habe und Du nichts mehr hast, von was sollen wir denn dann leben? Wir und die Kinder?«
Elisabeth holte tief Atem, wie vor einem sehr schweren Entschluß.
»Wenn es sein muß, dann verkaufe in Gottes Namen das Bild an den Staat! Aber nach Amerika lass' ich es nicht gehen, niemals, hörst Du, niemals! Wenn uns schon gar nichts mehr bleibt, dann müssen wir doch wenigstens einen makellosen Namen haben, wir müssen doch wenigstens wissen, daß kein Unrecht an uns hängt!«
»Ich kann mit meinem Eigentum tun, was mir beliebt!«
»Wenn Du das könntest, würdest Du das Bild ganz offen an die Amerikanerin verkaufen und nicht heimlich bei Nacht und Nebel wegschaffen lassen wollen! Du weißt sehr wohl, daß Du nicht das Recht hast, das Bild ins Ausland zu geben …«
Er fuhr sie an:
»Ich habe jetzt genug von Deinem Geschwätz. Ob's Dir paßt oder nicht paßt, ist mir egal! Ich werde mir Deinetwegen nicht zwei Millionen entgehen lassen!«
»Und ich werde nicht dulden, daß das Bild von hier fortkommt!«
Mit funkelnden Augen standen sie einander gegenüber wie zwei Feinde. Alles, was sie an Enttäuschungen, Zorn und Haß seit Jahren angehäuft hatten, trat jetzt aus ihnen hervor, ballte sich um das Bild, als hätten sie nie um etwas anderes gestritten und gerungen als um das Gemälde der blonden Frau, die mit rätselhaftem Gesichtsausdruck den Ring emporhielt.