Inzwischen hatte der Maler das Bild vollkommen abgelöst, stellte es zusammengerollt, als wär' es ein beliebiger Kaufsgegenstand, in eine Ecke. Schnell und gewandt schob er seine Kopie in den alten Rahmen, befestigte sie, überdeckte sie mit dem spiegelnden Glas, und schon hing das gefälschte Gemälde an der Stelle, von der jahrhundertelang das echte geblickt hatte. Mit großer Umsicht räumte er dann alles beiseite, verwischte jede Spur, die verraten konnte, wie in der Galerie nächtlich gearbeitet worden war, und wollte eben das zusammengerollte Bild aus der Ecke hervorholen, das er noch heute in Sicherheit bringen sollte. Zu seinem Erstaunen stand aber jetzt die Gräfin Priuli mit ausgebreiteten Armen davor, als wollte sie es mit ihrem Leibe schützen. Der Maler zögerte, aber Ettore rief ihm barsch zu:
»Kümmern Sie sich nicht um die Närrin, sondern tun Sie, wie wir verabredet haben!«
Elisabeth warf ihrem Mann einen verzweifelten Blick zu, der seine Wut noch steigerte. Er packte sie bei den Schultern, riß sie von dem Bild weg ins Zimmer hinein, daß sie taumelte und sich nur mit Mühe aufrecht halten konnte. Sie sah, daß sie allein gegen zwei Männer nichts ausrichten konnte, und wollte durch den ersten Saal zurücklaufen, um Hilfe herbeizuschreien. Aber noch ehe sie in die Mitte des Saales gelangt war, fühlte sie sich von Männerhänden gepackt, sah einen Hammer drohend über ihrem Kopf schweben. Zwei Fäuste preßten ihr die Gurgel zusammen, und eine brutale Gewalt schleuderte sie an einen Türvorsprung, daß sie blutend und bewußtlos zusammenbrach. – –
15.
Als Elisabeth die Augen zum erstenmal wieder aufschlug, sah sie die weiße Haube einer Krankenpflegerin und das Gesicht ihres Vaters, der neben ihrem Bette saß. Sie begriff nicht recht, wieso er und die weiße Haube hierherkamen, und warum sie selbst im Bett lag, aber sie war viel zu müde, um zu fragen oder nachzudenken, schloß die Augen gleich wieder und lag in dämmerndem Halbbewußtsein noch durch viele Stunden und manchen Tag hindurch. Wohl spürte sie starke Schmerzen im Hinterkopf und am Nacken, wußte auch, daß der Arzt täglich kam, um diese Wunde zu untersuchen und neu zu verbinden, aber alles, was mit ihr und um sie her geschah, erschien ihr so lautlos, so puppenhaft, daß sie nicht unterscheiden konnte, ob sie es wirklich erlebte oder nur träumte. Der Arzt war zuerst ein wenig erschrocken über diese langdauernde Teilnahmlosigkeit, denn er vermutete, daß sie durch den starken Fall oder durch den Schlag über den Kopf am Ende einen dauernden Schaden im Gehirn davongetragen haben könnte. Bald aber merkte er, daß Elisabeth geistig ganz klar war, nur in den Nerven so verbraucht und zerrieben, daß diese letzte Katastrophe eben den völligen Zusammenbruch herbeigeführt hatte. Da wurde sie denn gefüttert und gepflegt und gehätschelt wie ein Kind, und als wäre sie ein Kind, ließ sie alles mit sich geschehen, fragte nichts, sagte nichts, blieb in ihre Apathie verkrochen, bis die Natur ihr wieder half und sie sanft hindrängte zu der Brücke, die von der Bewußtlosigkeit hinüberführt zum Leben.
Nach einer Nacht voll erquickenden Schlafes schlug sie dann einmal die Augen ganz groß und klar auf, so daß die Pflegerin ihr freudig zunickte und das graue, überwachte Gesicht ihres Vaters seltsam zuckte von Rührung und Glück. Sie griff nach seiner Hand, nahm sie in die ihren, die ganz mager und durchsichtig geworden waren, und sagte leise, mit einem Blick auf die Pflegerin.
»Nachher, wenn sie draußen zu tun hat, mußt Du mir erzählen!«
Der Oberst wußte wohl, was sie meinte, aber er fragte doch: