»Doch jedenfalls mehr als eine bemalte Leinwand!«
Elisabeth schüttelte langsam den Kopf.
»Dieses Bild ist mehr als bloß eine bemalte Leinwand! Denk' doch, es ist der Glanz der Priuli, eines der größten Kleinodien Venedigs! Und für mich ist es noch mehr als alles das … Mein ganzes Leben hier hat ja eigentlich mit diesem Bilde begonnen. Für mich ist es so etwas wie ein Gedanke, dem ich gehören mußte bis zuletzt … Und dann, siehst Du, ich konnte doch nicht dulden, daß Ettore uns auch das noch antut, daß er sich noch gegen das Gesetz vergeht.«
Carlo nickte.
»Wenn Du nur endlich von dem loskommen könntest, was das Bild für Dich bedeutet hat! Wenn Du Dich endlich von den Gespenstern befreien könntest, die es darstellt! Wenn Du Dich endlich entschließen könntest, nicht mehr zurückzusehen, sondern voran.«
Da sagte ihm Elisabeth, was sie schon die ganze Zeit über in sich fühlte, und was sie selbst mit Staunen erfüllte.
»Denk' Dir, alles, was war, liegt so weit hinter mir, als wäre es eine ganz entfernte Landschaft, in der ich Einzelheiten kaum mehr unterscheiden kann. Es ist mir oft, als wäre ich gar nicht mehr ich, als wären zwei Elisabeths da, die eine bis zu der schrecklichen Nacht, und die andere, die mit alledem nichts zu tun hat, und die jetzt ganz still und wunschlos erst zu leben anfängt. Und darum glaube ich, daß ich gar keine solche Heldin bin, wie Du in mir sehen willst. Denn wär' ich eine Heldin, dann müßte mir die Sache, für die ich geblutet habe, doppelt wert sein. So aber ist mir's, als trenne mich gerade mein Blut und meine Krankheit von früher ab …«
»Gott sei Dank, wenn es so ist, und wenn es so bleibt! Das wäre ein Glück für Dich, und auch ein Glück –«
Er brach ab, begann ziemlich unvermittelt von etwas anderem zu sprechen. Als er ging, hatte auch Elisabeth mit keiner Silbe nach Ettore gefragt. – –